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23. Jänner 2006

Knieschmerz: Patellaknorpel ist nicht die Ursache 

Vordere Knieschmerzen sind bei intaktem Knorpel ähnlich häufig wie bei Chondropathia patellae

Bei Patienten mit Schmerzen im vorderen Knie lautet eine häufige Diagnose Chondropathia patellae. Zwar sind Knorpelschäden im Femoropatellargelenk tatsächlich weit verbreitet. Doch kommen sie als Ursache für die Schmerzen kaum in Frage. Das ist Fazit einer Untersuchung von Dr. Ernst O. Münch von der Münchener Sana-Klinik und seinem Kollegen Dr. Hermann O. Mayr. Sie hatten bei 300 zufällig aufeinanderfolgenden Patienten, die für einen ambulanten arthroskopischen Eingriff in ihre Klinik kamen, immer auch das Femoropatellargelenk gründlich inspiziert. Zudem waren alle Patienten nach typischen vorderen Knieschmerzen, etwa beim Treppensteigen, bei längerem Sitzen mit gebeugten Knien oder beim Aufstehen aus der Hocke, befragt worden, wie Münch auf einem Kongress vor Sportmedizinern, Traumatologen und Orthopäden geschildert hat.

Arthroskopie-Ergebnisse

Die Arthroskopien ergaben, dass 75 Prozent aller Untersuchten Knorpelschäden an der Patella hatten. Bezüglich der Häufigkeit und Schwere von Knieschmerzen fand sich jedoch kein signifikanter Unterschied zwischen Patienten mit intaktem und solchen mit geschädigtem Patellaknorpel. Lediglich Schmerzen beim Aufstehen aus der Hocke schilderten Patienten mit Knorpelschäden signifikant häufiger als solche mit einem unauffälligen Knorpelbefund im Femoropatellargelenk. Patellare Chondropathien sind also keine wesentliche Ursache für unspezifische vordere Knieschmerzen, und die Bezeichnung Chondropathia patellae als diagnostischer Sammelbegriff für den vorderen Knieschmerz ist deshalb häufig eine Verlegenheitsdiagnose, wie Münch klarstellte. Eine verbindliche Antwort auf die Frage, was konkret die hier fokussierten Schmerzen verursache, bleibe die Wissenschaft bislang allerdings schuldig. 

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