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23. Jänner 2006

Arthrosetherapie mit Hyaluronsäure reduziert Schmerzen 

Weniger Schmerzen ohne NSAR-Nebenwirkungen. Von Dr. Klaus Huber

Die gängige Therapie von Arthrosen zielt vor allem darauf ab, den Schmerz zu kontrollieren und die Gelenksfunktion aufrecht zu erhalten und weniger darauf, die körperliche Funktionsfähigkeit und das Fortschreiten der Erkrankung zu ändern. Die intraartikuläre Injektion von Hyaluronsäure ist eine relativ neue, sehr gut verträgliche Therapiemöglichkeit der Arthrose. Eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie zeigt, dass die intraartikuläre Verabreichung von Hyaluronsäure den Ruheschmerz bei Kniegelenksarthrose ähnlich effektiv bessern kann wie die Verabreichung von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Hinsichtlich Belastungsschmerz und Funktionsfähigkeit scheint Hyaluronsäure einer alleinigen NSAR-Therapie sogar überlegen zu sein (R. J. Petrella: Arch Intern Med 2002; 162: 292-298), wobei die Einnahme von NSAR generell mit einem hohen Nebenwirkungsrisiko verbunden ist.

Gleitmittel und Stoßdämpfer

Hyaluronsäure ist ein wesentlicher Bestandteil der Gelenksmatrix. Sie fungiert als "Gleitmittel", wenn die Bewegungen langsam ablaufen, und als "Stoßdämpfer" bei schnell ablaufenden Bewegungen. Charakteristisch für Osteoarthrose ist die Abnahme der Konzentration und des Molekulargewichts von Hyaluronsäure, was zu den markanten Symptomen Schmerz und Funktionsverlust in den gewichtstragenden Gelenken wie dem Knie führt. Die Wirkung von intraartikulär verabreichter Hyaluronsäure wird erklärt über die Viskositätserhöhung im Sinne eines physikalischen Effektes, Entzündungshemmung, Regeneration der Knorpelmatrix und Stimulierung der endogenen Hyaluronsäure-Synthese. Die Studie von Dr. Robert J. Petrella, University of Western Ontario, London, Kanada, sollte den Effekt einer Therapie mit Hyaluronsäure feststellen und mit einer Standard- beziehungsweise Placebotherapie hinsichtlich Schmerzverminderung und körperlicher Funktionsfähigkeit bei Patienten mit Knie-Arthrose während eines Zeitraums von zwölf Wochen vergleichen. 120 Personen mit einseitiger Gonarthose wurden doppelblind in eine von vier Behandlungsgruppen randomisiert:

  • Gruppe 1 erhielt Hyaluronsäure intraartikulär und Placebo-Tabletten, 
  • Gruppe 2 Hyaluronsäure i.a. und NSAR-Tabletten, 
  • Gruppe 3 eine Placebo-Injektion und NSAR-Tabletten und 
  • Gruppe 4 nur Placebo (als Injektion und Tabletten).

Es wurden drei Injektionen Hyaluronsäure verabreicht, die erste nach der genauen Ausgangsuntersuchung, die beiden anderen ein und zwei Wochen später. Die Tabletteneinnahme erfolgte zweimal täglich während zwölf Wochen, wobei als perorales NSAR ein magenfreundliches Kombinationspräparat aus 75mg Diclofenac plus 0,2mg Misoprostol (Arthrotec® forte) gewählt wurde. Die Patienten erhielten zu Beginn genaue Instruktionen für ein zehnminütiges Heim-Trainingsprogramm (Durchführung mindestens dreimal pro Woche, möglichst aber täglich), ergänzt durch ein entsprechendes Video. Nach drei Wochen erfolgte eine Zwischen-, nach zwölf Wochen die Abschlussuntersuchung. Primäres Ziel der Untersuchung war die Veränderung der Schmerzen. Dazu diente einerseits eine visuelle Analog-Skala (VAS) zur Selbstbeurteilung des Ruheschmerzes und des Schmerzes nach einer bestimmten Belastung (Gehen, Stufensteigen). Andererseits wurden die Patienten mittels des "Western Ontario McMaster Universities (=WOMAC) Arthrose-Index" bezüglich Steifigkeit, Schmerz und funktioneller Kapazität von den behandelnden Ärzten klinisch beurteilt.

Vorteile der Viskosupplementation

Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen die Vorteile einer Viskosupplementation mit Hyaluronsäure zur Behandlung der Kniegelenks-Arthrose. Die intraartikuläre Injektion von Hyaluronsäure minderte den Ruheschmerz gleich effektiv wie NSAR. In bezug auf Funktionsfähigkeit und den Schmerz bei körperlicher Aktivität dürfte Hyaluronsäure der alleinigen Behandlung mit NSAR oder einem Übungsprogramm sogar überlegen sein. Der Effekt der Hyaluronsäure auf den Aktivitäts-bezogenen Schmerz und die körperliche Funktionsfähigkeit nimmt offenbar mit dem zeitlichen Abstand zur Intervention zu, wohingegen die Wirkung der NSAR nach vier Wochen Therapie zu keiner weiteren Besserung führt.

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