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23. Jänner 2006

Ärzte überschätzen die Therapie-Zufriedenheit der Patienten

6.000 Patienten mit rheumatoider Arthritis oder Spondylitis ankylosans in elf Ländern befragt

Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) oder Spondylitis ankylosans (SA) sind mit ihrem Gesundheitszustand unzufriedener, als dies von ihren behandelnden Ärzten eingeschätzt wird. Etwa ein Viertel aller Erkrankten sind arbeitsunfähig, und über 50 Prozent fühlen sich durch die Krankheit in ihrer Arbeit mäßig bis stark beeinträchtigt. Das hat unter anderem die erste europäische Studie zur Lebensqualität dieser Erkrankten ergeben. Diese ersten Ergebnisse der multizentrischen COP-QOL (Cooperative on Quality of Life)-Befragung von etwa 6.000 Patienten - davon zirka 2.000 aus Deutschland - und ihren Rheumatologen aus elf europäischen Ländern hat Prof. Dr. Josef S. Smolen von der Universität Wien in Genf vorgestellt. Laut Smolen sind bisher die Daten von 5.237 RA-Patienten, davon drei Viertel Frauen, und 619 SA-Kranken, knapp 75 Prozent Männer, ausgewertet worden. 40 Prozent der RA- und 57 Prozent der SA-Patienten litten bereits seit mehr als zehn Jahren an Symptomen der Erkrankung.

Was wurde erhoben?

Ziele der Befragung sind unter anderem gewesen, Daten zur aktuellen Behandlung der Patienten in Europa zu erheben und den Behinderungsgrad der Patienten mit RA und SA und deren Fähigkeit für tägliche Aktivitäten zu ermitteln. Außerdem sollten die Patienten einschätzen, wie zufrieden sie mit der Therapie sind. Schließlich sollte ihre Beurteilung der Funktionalität und Lebensqualität mit jener der behandelnden Ärzte - niedergelassene und klinisch tätige Rheumatologen - verglichen werden. Als Grundlage für die Studie, die Rheumatologen der Universitätslinik Erlangen koordiniert und ausgewertet haben, dienten mehrere validierte Fragebogenmethoden. Nach Analyse der Daten hatten zum Beispiel zwar 40 Prozent der Patienten zwischen sechs und zehn schmerzhafte Gelenke, nach Schätzungen der Ärzte lag die Rate der Patienten mit hoher Krankheitsaktivität dagegen bei 24 Prozent. Ihre Zufriedenheit mit der Therapie und dadurch die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen, stuften sowohl RA- als auch SA-Kranke zudem deutlich geringer ein als ihre behandelnden Rheumatologen - ein Resultat, das in allen teilnehmenden europäischen Ländern annähernd ähnlich ist. Prof. Dr. Ravinder N. Maini aus London fordert deshalb ein verbessertes Verständnis für den Grad der Krankheitsaktivität und die verminderte Lebensqualität. 

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