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23. Jänner 2006

Bei Arthritis ist auch Herzschutz wichtig

Gerade bei jungen Patienten mit rheumatoider Arthritis müssen  kardiovaskuläre Risikofaktoren stärker beachtet werden.

Das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen oder nach dem Infarkt zu sterben, ist bei Frauen und Männern mit rheumatoider Arthritis (RA) merklich erhöht. Das ist erneut durch Studien bestätigt worden. Und zwar durch drei prospektive Kohortenstudien, die auf der Jahrestagung des American College of Rheumatology 2002 in New Orleans vorgestellt wurden. In einer schwedischen Studie beobachte die Arbeitsgruppe von Dr. Carl Turesson mehr als drei Jahre lang 1.002 Patienten mit RA aus Malmö und verglich die Inzidenz der erstmaligen Herzinfarkte und Schlaganfälle mit der in der Bevölkerung der Stadt. Insgesamt 54 kardiovaskuläre Ereignisse bei den RA-Patienten, davon 64 Prozent Herzinfarkte und 36 Prozent Schlaganfälle, traten im Untersuchungszeitraum auf. Von den 3.882 kardiovaskulären Ereignissen in der Bevölkerung waren 57 Prozent Herzanfälle und 43 Prozent Schlaganfälle. Unabhängig von Alter und Geschlecht sei das kardiovaskuläre Risiko für Patienten mit RA höher, so Turesson.

Ein doppelt so hohes Herzinfarkt-Risiko bei Frauen mit RA ergab eine Kohortenstudie mit fast 115.000 Krankenschwestern. In der Analyse wurden alle anderen kardiovaskulären Risikofaktoren berücksichtigt, als Vergleichsgruppe dienten die Studienteilnehmerinnen ohne RA. Bestehe die RA seit mehr als zehn Jahren, so sei das Risiko sogar dreimal so hoch, sagte Dr. Daniel Solomon aus Boston. Die Daten wurden seit 1976 alle zwei Jahre mit Fragebögen ermittelt und die insgesamt 527 RA-Diagnosen von Rheumatologen überprüft.

Nach Angaben von Solomon könnten die systemische Entzündung bei RA und die vermehrte Einnahme von Glukokortikoiden oder krankheitsmodifizierenden Antirheumatika für das erhöhte kardiovaskuläre Risiko ursächlich sein. Auffällig sei auch, dass die Population mit RA weniger kardioprotektive Substanzen wie ASS einnehmen. Turesson und Solomon empfahlen, bei jedem einzelnen Patienten mit RA das individuelle kardiovaskuläre Risiko stärker zu berücksichtigen, vor allem bei jungen Patienten.

Eine dritte Studie, die an der Mayo Klinik in Rochester im US-Staat Minnesota gemacht worden war, ergab einen synergistischen Effekt von RA und Herzinfarkt auf die Mortalität. Seit 1955 wurden insgesamt 609 Patienten mit RA untersucht und die Mortalität nach einem Herzinfarkt mit einer gleich großen Kontrollgruppe ohne RA verglichen, berichtete Dr. Hilal Kremers aus Rochester. Insgesamt 64 Prozent der Patienten mit RA waren Rheumafaktor-positiv und 13 Prozent hatten einen Herzinfarkt in der Vorgeschichte. Bei diesen Patienten sei das Risiko, an einem weiteren Herzinfarkt zu sterben, doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe.

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