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23. Jänner 2006

Kinder mit Rheuma: oft bessere Prognose als Erwachsene

Etwa 50 Prozent der Kinder mit juveniler rheumatoider Arthritis werden bei rechtzeitiger intensiver Therapie ohne Bewegungseinschränkung groß 

Als die dreijährige Julia in die rheumatologische Abteilung eines Kinderkrankenhauses in Chicago kam, hatte sie bereits seit zwei Monaten ein geschwollenes, schmerzendes Knie. Seit zwei Wochen lief sie keinen Schritt mehr. "Recht spät ist das Kind in ein spezialisiertes Zentrum wie unseres überwiesen worden", sagt Prof. Charles H. Spencer, der die Abteilung für Rheumatologie der Kinderklinik La Rabida in Chicago im US-Staat Illinois leitet. Denn das Kind konnte sich bereits deutlich schlechter bewegen: 35 Grad fehlten zur vollständigen Streckung des linken Knies, 20 Grad zur vollständigen Beugung. Die Subtalargelenke waren geschwollen. Spencer stellte eine oligoartikuläre, juvenile rheumatoide Arthritis fest.

Auch Iris betroffen

Er behandelte das Mädchen unter Lokalanästhesie mit Steroidinjektionen in die Gelenke, verordnete ihr nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und Physiotherapie. "Kinder wie dieses Mädchen haben eigentlich eine gute Prognose", sagte Spencer, als er die Kasuistik bei der Jahrestagung des American College of Rheumatology in New Orleans vorstellte. "Aber der Teufel steckt im Detail." Nach zwei Jahren Therapie sind Entzündungserscheinungen und orthopädische Veränderungen völlig zurückgebildet. Jetzt aber hat Julia eine rasch fortschreitende Regenbogenhaut-Entzündung mit ersten Anzeichen für einen Katarakt. Steroide oral helfen nicht. Die Ärzte erwägen, Methotrexat zu verordnen - wenn das nicht helfen sollte, Cyclosporin."Kinder mit rheumatoider Arthritis haben im allgemeinen eine bessere Prognose als Erwachsene", sagt Spencer. Voraussetzung sei, dass sie rechtzeitig zum Experten kommen und intensiv genug behandelt würden. Dann erreichten etwa 50 Prozent ohne Bewegungseinschränkungen das Erwachsenenalter. Auch in Deutschland werden Kinder mit einer rheumatischen Erkrankung oft zu spät einem Spezialisten vorgestellt, sagt Dr. Rolf-Michael Küster, Kinderarzt in der Rheumaklinik Bad Bramstedt/D. Wenn sich eine Gelenkentzündung durch NSAR nicht in maximal drei Monaten  zurückbilde, müsse ein Experte um Rat gefragt werden, bei Bewegungseinschränkungen sofort. Gelenkbeschwerden sind bei Kindern und Jugendlichen häufig: Etwa jedes fünfte Schulkind klagt zumindest zeitweise über Schmerzen an einem oder mehreren Gelenken, meist im Zusammenhang mit Infekten. Die Symptome klingen in der Regel nach Tagen oder Wochen wieder ab und hinterlassen keine Gelenk-Veränderungen. Dennoch müssen die Symptome ernst genommen werden, denn sie können auf den Beginn einer rheumatischen Erkrankung hinweisen.

ÄZ/Nicola Siegmund-Schultze, rheuma plus 1/2003

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