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23. Jänner 2006

Chondroitinsulfat: effektiv, nebenwirkungsarm und in der Langzeitzeittherapie kostengünstig

Ein interview mit dem Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie, Prim. Doz. Dr. Attila Dunky, 5. Medizinische Abteilung mit Rheumatologie, Stoffwechselerkrankungen und Rehabilitation, Wilhelminenspital der Stadt Wien

Welchen Stellenwert nehmen für Sie biologische Knorpelschutzstoffe bei der Behandlung rheumatologischer Erkrankungen ein?

Dunky: Biologische Knorpelschutzstoffe wären für die Behandlung rheumatischer Erkrankungen von wesentlichem Vorteil. Bei den entzündlichen Erkrankungen können wir dies bis zu einem gewissen Grad von den Biologicals erwarten. Bei degenerativen Erkrankungen, sprich Arthrosen, ist dieser Durchbruch noch nicht gelungen.

Welche Wirkungen kann man sich von einer oralen Therapie mit Chondroitinsulfat erwarten. Neuere Studien sprechen dafür, dass diese Substanz nicht nur analgetische und antiinflammatorische Effekte aufweist, sondern auch die Knorpeldestruktion positiv beeinflusst. Wie stehen Sie dazu? Ist Chondroitinsulfat (Condrosulf®) tatsächlich eine "structure/disease modifying drug"?

Dunky: Bei Chondroitinsulfat ist in klinischen Studien ein leichter antiinflammatorischer Effekt aufgetreten, der jedoch nicht dem der Antiphlogistika gleichzusetzen ist. In entsprechenden Studien wird eine positive Beeinflussung der Knorpeldestruktion postuliert, die wir auch im klinischen Alltag annehmen können. Man kann es daher vom klinischen Standpunkt (experience based) als eine "Structure disease modifying drug" ansehen.

Bei welchen Patienten empfehlen Sie selbst eine Therapie mit Condrosulf®?

Dunky: Ich empfehle diese Therapie bei Gonarthrosen und Coxarthrosen ohne hohe entzündliche Aktivität, aber mit Schmerzen, sowie interessanterweise bei den Polyarthrosen der Hände, Heberden- und Bouchard-Arthrosen.

Wie lange sollte Condrosulf® sinnvollerweise eingenommen werden?

Dunky: Die Condrosulf®-Therapie sollte auf jeden Fall als eine Kurbehandlung durchgeführt werden, durch drei Monate mit drei Monaten Pause und neuerlicher zweimaliger Wiederholung von jeweils drei Monaten. Das entspricht einer Kurbehandlung von 15 Monaten. Eine kontinuierliche Einnahme ist meiner Meinung nach sicher nicht notwendig.

Seit 1. April 2003 ist Condrosulf® auch als 800mg Tablette bzw. Kapsel zugelassen. Halten Sie die einmal tägliche Einnahme einer 800mg-Filmtablette für ausreichend beziehungsweise sehen Sie darin einen Vorteil?

Dunky: Die einmal tägliche Einnahme mit einer höheren Dosierung ist sicher von Vorteil für die Therapieform und auch für die Compliance des Patienten.

Welche sind die wesentlichen Vorteile einer Chondroitinsulfat-Therapie aus Sicht des Patienten?

Dunky: Bei rechtzeitigem Einsatz dieser Therapie bei einem gravierenden Aufbrauchsleiden wie der aktivierten Arthrose kann die Operationsindikation sicher hinausgeschoben werden. Langfristig betrachtet ist diese Therapie durchaus als kostengünstig zu beurteilen.

Die antiinflammatorische und antiphlogistische Wirkung von Chondroitinsulfat ist offenbar unbestritten. Ist diesbezüglich ein Vergleich der Wirkung beziehungsweise Nebenwirkungen zwischen dieser Substanz und NSAR möglich?

Dunky: Bezüglich Nebenwirkungen ist das Chondroitinsulfat den NSAR und auch den Coxiben deutlich überlegen, wobei die antiphlogistische Wirkung aber nicht so stark ist. Für eine Langzeittherapie bei Arthrosen eignet sich Chondroitinsulfat aus diesem Umstand sehr gut.

Dr. Klaus Huber, rheuma plus 2/2003

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