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23. Jänner 2006

Mit Chondroitinsulfat die Progression von Arthrosen bremsen

Auch Schmerzreduktion und bessere Bewegungs- und Belastungskapazität resultieren aus der Behandlung.

Bei arthrotischen Erkrankungen ist das Gleichgewicht zwischen Knorpel-degradierenden und Knorpel-aufbauenden Prozessen gestört, wodurch es zur Zerstörung des Knorpels und zu Veränderungen am subchondralen Knochen kommt. Biologische Knorpelschutzstoffe wie Chondroitinsulfat können zwar den defekten Knorpel nicht wieder aufbauen, aber den Abbau behindern. Zahlreiche Studien (Tabelle) haben gezeigt: die perorale Verabreichung von 800mg Chondroitinsulfat pro Tag kann nicht nur zur Verbesserung der Symptome führen (vor allem weniger Schmerzen, bessere Bewegungs- und Belastungskapazität), sondern auch den Krankheitsablauf beeinflussen (geringere Progression der arthrotischen Veränderungen im Röntgen). Seit 1. April 2003 ist Condrosulf® auch als 800mg-Filmtablette am Markt, was eine weitere Erleichterung für die Patienten bedeutet.

Am Beginn des arthrotischen Prozesses stehen Veränderungen der extrazellulären Matrix: Der Verlust von Proteoglykanen, die für die hydroelastische Verformbarkeit des Knorpels verantwortlich sind, und die Steigerung des Wassergehaltes der Matrix führen zur Lockerung des Kollagenfasernetzes, zum Verlust der Integrität der Knorpelmatrix, zur Auffaserung der Knorpeloberfläche und zum Freiliegen der Kollagenfasern. Proteolytische Enzyme strömen ein, bauen Kollagen ab und treiben so die Desintegration der Knorpelmatrix voran, weil dadurch der für die Festigkeit des Knorpels entscheidende Bestandteil verloren geht. Chondroitinsulfat (CS) ist ein Glykosaminoglykan, das in der extrazellulären Matrix vorkommt, hauptsächlich im Bindegewebe des Körpers: in Knorpel, Knochen, Haut, Sehnen, Blutgefäßen. Peroral aufgenommenes CS lagert sich mit Vorliebe an Knorpelgewebe, sozusagen seinem natürlichem Wohnort an.

Studien zeigen, dass die therapeutische Aktivität von peroral verabreichtem CS bei Arthrosen vor allem auf folgende Effekte zurückzuführen sind: die entzündungshemmende Aktivität, die im zellulären Bereich der Entzündung wirksam ist und keine Nebenwirkungen vergleichbar jenen der NSAR aufweist; die metabolischen Effekte auf die Synthese von Hyaluronsäure und auf die Knorpel-Proteoglykane (Bassleer et al., Effects of chondroitin sulfate and interleukin-I beta on human articular chondrocytes cultivated in clusters. Osteoarthritis and cartilage. 1998; 6 (3): 196-204); die direkten antidegrativen Eigenschaften durch die Hemmung einer proteolytischer Enzyme (MMPs, Kollagenase, Elastase, Proteoglykanase etc.) und durch die Verminderung der Schädigung von Matrixmolekülen durch freie Radikale. Dass CS bei peroraler Einnahme tatsächlich in ausreichendem Maße resorbiert und im Blut verfügbar wird, konnte in mehreren Untersuchungen nachgewiesen werden. So in einer Bioverfügbarkeitsstudie von Prof. Dr. Nicola Volpi, Universität von Modena und Reggio Emilia, Italien, an der 20 gesunde Probanden teilnahmen (Osteoarthritis and Cartilage (2002) 10, 768-777). Nach peroraler Aufnahme von Chondroitinsulfat (4 Gramm) wurden Chondroitinsulfat-Derivate in ihrem Plasma während 48 Stunden untersucht. Die CS-Blutspiegel stiegen bei allen Probanden zwei bis sechs Stunden nach der oralen Einnahme von CS signifikant an. Die maximale Konzentration wurde meist nach zwei Stunden erreicht (bei je einem Patienten nach vier beziehungsweise acht Stunden). Der Anstieg der CS-Plasmawerte innerhalb von zwei bis vier Stunden nach der Einnahme lag bei 200 Prozent, verglichen mit den vor CS-Einnahme bei allen Probanden nachweisbaren endogenen CS-Werten.

Dr. Klaus Huber, rheuma plus 2/2003

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