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23. Jänner 2006

Vision virtuelle Implantation

Knie-Endoprothesen:
Mit Navigationssystemen können Fehlpositionierung, nicht korrekte Achsenausrichtung und Instabilitäten verhindert werden.

Prof. Dr. Peter Ritschl, Vorstand der I. Orthopädischen Abteilung am Orthopädischen Spital Wien-Gersthof, verwendet seit drei Jahren das Galileo-Navigationssystem zur Implantation von Knie-Endoprothesen. Rheumaplus befragte den Experten über seine Erfahrungen mit dieser neuen Technologie.

Was sind die Spezifika des von Ihnen verwendeten Navigationssystems?

RITSCHL: Das Galileo-System ist ein bildunabhängiges Navigationssystem, das dem Operateur als Unterstützung zur optimalen Prothesenimplantation dient. Zur Präzisionserhöhung bei den Knochenschnitten ist im System ein semiaktiver Miniroboter integriert, der den Schnittblock in die gewünschte Position bringt, selbstständig jedoch keine Operationsschritte ausführt. Vor einem Jahr konnte auch die Bandspannung in das System integriert werden. Dies verbessert den Bewegungsablauf durch das Erreichen eines ausgeglichenen Streck- und Beugespaltes bei seitengleicher Bandspannung.

Warum haben Sie die Navigation an Ihrer Abteilung eingeführt?

RITSCHL: Das Versagen von Knie-Endoprothesen hat in etwa 50 Prozent der Fälle seine Ursache in der Fehlpositionierung der Implantate, einer nicht korrekten Achsenausrichtung und Instabilitäten. Unser Ziel ist, mit Hilfe der Navigation, diese Fehlerquellen zu beherrschen und Implantatversagen mit dieser Ursache zu eliminieren. Zusätzlich verringert eine optimale Implantatpositionierung den Polyethylenverschleiß und erhöht somit die Laufzeit der funktionstüchtigen Prothese. Das erspart dem Patienten langfristig das operative Erneuern des Polyethylens.

Gibt es auch Nachteile durch die Implementierung der Navigation?

RITSCHL: Die Einführung neuer Technologie erfordert immer Zeit, Kosten und Bereitschaft zur Innovation. Alle Mitarbeiter sind gefordert und müssen eine Mehrleistung erbringen. Der Lohn dafür ist die Zunahme von Wissen. Konkret zeigt sich eine Verlängerung der Operationszeit um 20 Minuten nach Beendigung der Lernkurve und eine erhöhte Anforderung an den Chirurgen, der sich nicht nur auf das Operationsgebiet, sondern additiv auch auf das Navigationssystem konzentrieren muss. Bei den bisher durchgeführten 130 Operationen musste ich aufgrund technischen Gebrechens dreimal die Navigation einstellen und konventionell weiteroperieren. Die Fehlerquellen wurden inzwischen beseitigt.

Was erwarten Sie für die Zukunft?

RITSCHL: Geschafft haben wir eine wesentlich genauere Achsausrichtung, sodass ein O- oder X-Bein nach der Operation bereits der Vergangenheit angehört. Derzeit verfeinern wir die Bandspannung, damit das Kniegelenk im gesamten Bewegungsablauf stabil ist. Zukünftig planen wir die virtuelle Implantation. Dazu füttern wir den Computer des Navigationssystems mit einer Reihe von Daten wie: Beinachse, Bandspannung, Gelenkebene und dergleichen. Der Computer errechnet aus einer Unzahl von Möglichkeiten die für diesen Patienten optimale Implantation, welche dann mittels der Navigation, Miniroboter und Bandspannungsgerät umgesetzt wird.

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