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23. Jänner 2006

Die wenigen Experten schneller finden

Die neue Rheuma-Landkarte soll für Patienten
und Angehörige die drastische Unterversorgung mit Spezialisten erträglicher machen.

Viele Rheuma-Patienten haben einen langen Leidensweg mit vermeidbaren Schmerzen hinter sich, ehe sie eine adäquate Behandlung durch einen auf Rheuma spezialisierten Experten erhalten. Damit diese Spezialisten leichter gefunden werden können, haben die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR) und die Patientenorganisation Österreichische Rheumaliga (ÖRL) mit Unterstützung der Firmen Pfizer und Pharmacia eine Orientierungshilfe für Menschen mit Rheuma-Erkrankungen und deren Angehörige geschaffen: die Rheuma-Landkarte.

Umfassender Überblick

Sie listet übersichtlich nach Bundesland und Postleitzahl niedergelassene Fachärzte für Rheumatologie, Kinder-Rheumatologen, Rheuma-Ambulanzen an Österreichs Spitälern und Rheuma-Sonderkrankenanstalten auf. Weiters werden viele weitere "Rheuma-interessierte" Ärzte sowie die Rheuma-Selbsthilfegruppen der ÖRL genannt. Bis dato gab es in Österreich kein Verzeichnis, das einen vergleichbar umfassenden und raschen Überblick über rheumatologisch versierte Ärztinnen und Patientengruppen quer durch alle Bundesländer bietet.
"Die Recherche war aufwändig, hat sich aber gelohnt", freut sich Prim. Dr. Burkhard Leeb, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung, Niederösterreichisches Zentrum für Rheumatologie, Humanis Klinikum Nö. - Standort Stockerau. "Wir haben alle FachärztInnen mit dem Additivfach Rheumatologie, sonstige Mitglieder unserer Fachgesellschaft sowie weitere Ärzte angesprochen, die in Kontakt mit der Rheumaliga stehen. Das Interesse war sensationell. Rund 170 Ärzte haben bisher um Aufnahme ihrer Ordinationsadresse in die Rheuma-Landkarte gebeten."
Der Eintrag in die Rheuma-Landkarte erfolgt freiwillig, kostenlos und basiert auf den Angaben des jeweiligen Arztes. Sie soll regelmäßig aktualisiert und neu herausgebracht werden.

Mangelhafte Versorgung

Mit der Erstellung der Rheuma-Landkarte wollten die Initiatoren gegen die dramatische Unterversorgung der österreichischen Bevölkerung mit Rheuma-Experten ankämpfen: Auf rund zwei Millionen PatientInnen kommen nicht einmal 200 ausgebildete Fachärzte. "Von den knapp 200 RheumatologInnen sind weniger als die Hälfte tatsächlich in der Rheumatologie tätig - etwa drei Viertel der Patienten sind nicht nur chronisch krank, sondern auch chronisch unterversorgt", kritisiert Leeb.
Jeder vierte Österreicher leidet an einer von rund 450 rheumatischen Erkrankungen, darunter viele Kinder und Jugendliche. Viele Verlaufsformen, wie etwa chronische Polyarthritis (rheumatoide Arthritis), sind äußerst aggressiv und können binnen kurzer Zeit Gelenke und Knorpel zerstören, vor allem am Beginn der Erkrankung. Um bleibende Bewegungseinschränkungen zu vermeiden, ist die rasche und richtige Behandlung durch einen versierten Facharzt äußerst wichtig. Infolge der Unterversorgung mit Spezialisten dauert es jedoch jahrelang, bis ein Patient in Österreich zu seiner richtigen Diagnose kommt.

Große Versorgungslücken

Die Rheuma-Landkarte soll den Patienten nun helfen, die wenigen Spezialisten möglichst schnell zu finden, nicht zuletzt auch deshalb, um möglichst in Wohnortnähe betreut werden zu können. Wie schwierig dies in manchen Regionen ist, zeigt Prim. Prof. Dr. Hans Bröll, 2. Medizinische Abteilung mit Rheumatologie und Osteologie, Kaiser-Franz-Josef-Spital der Stadt Wien, am Beispiel Burgenland auf: "In diesem Bundesland gibt es keinen einzigen Rheumatologen. Die Versorgungssituation wird noch dadurch verschlimmert, dass viele Therapien an die Erstverschreibung durch einen Spezialisten gebunden sind." Bröll warnt davor, Rheuma zu bagatellisieren: "Die Krankheit tut nicht nur weh, sie führt auch zu Invalidisierung und kann im Extremfall auch tödlich enden."
Besonders kritisch ist die Versorgungssituation für rheumakranke Kinder (siehe Beitrag nebenan). So gibt es in Österreich kein einziges Zentrum, an dem Kinder stationär und im Beisein ihrer Eltern betreut werden können. Viele Familien müssen daher regelmäßig in die Rheuma-Klinik Garmisch Partenkirchen (siehe Leser-Service Seite 9) fahren. Die Behandlungskosten für das kranke Kind übernimmt zwar die Krankenkasse, ihre eigenen Kosten für An- und Abreise, für Unterkunft und Verpflegung müssen die Angehörigen jedoch selbst begleichen. Für viele Familien stellt dies eine starke finanzielle Belastung dar.
ÖGR-Präsident Prof. Dr. Attila Dunky, 5. Medizinische Abteilung für Rheumatologie, SW-Erkrankungen und Rehabilitation, Wilhelminenspital, regt die flächendeckende Einrichtung von kleinen Spezialeinheiten für Rheumatologie an. Auch an die Etablierung einer Klinik nach dem Vorbild von Garmisch Partenkirchen in Wien ist laut Bröll gedacht.

Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, rheuma plus 2/2003

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