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23. Jänner 2006

Hyperthermie auch bei Fibromyalgie wirksam

Eine gezielte Erhöhung der Körperkerntemperatur beeinflusst die Fehlregulation des Gesamtorganismus.
Von Dr. Klaus Huber

Die Hyperthermiebehandlung, bei der durch Infrarotstrahlung künstliches Fieber erzeugt wird, stellt bei schmerzhaften Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates eine sehr gute therapeutische Option dar. Auch bei Patienten mit Fibromyalgie können damit sehr gute Erfolge erzielt werden, berichtete Doz. Dr. Wilfried Ilias, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am KH Barmherzige Brüder in Wien, bei einer Fortbildungsveranstaltung Ende Februar. Nach seiner Erfahrung sprechen vor allem Patienten mit klassischer Fibromyalgie und vielen Triggerpunkten, die sich in der Vergangenheit zwar immer wieder grippig gefühlt, aber nie gefiebert hatten, auf die Hyperthermie sehr gut an, schlecht hingegen Patienten, die selbst leicht fiebern.
Die Wärmeregulation ist ein wesentliches Merkmal des Lebens. Der gesunde Organismus reagiert auf krankmachende Reize mit abgestuften Temperaturerhöhungen - in akuten Fällen bis zu hohem Fieber, was eine verstärkte Immunantwort einleitet. Fieber aktiviert hochwirksame Selbstheilungskräfte. Leider wird dieser Vorgang häufig gestört, indem ohne Bedarf und viel zu früh fiebersenkende Medikamente verabreicht werden.
Bei der medizinischen Ganzkörper-Hyperthermiebehandlung (HT) wird durch Infrarotstrahlung künstliches Fieber erzeugt und dadurch Selbstheilungskräfte angeregt. Bei der milden HT (vor allem bei leichteren rheumatischen Beschwerden, im Wellnessbereich, zum Abbau von Stress und Verspannungen) wird die Körperkerntemperatur gezielt bis etwa 38,5°C, bei der hauptsächlich angewendeten moderaten HT auf zirka 38,5 bis 40,0°C und bei der intermediären (in Österreich nicht eingesetzten) HT auf 40,0 bis 41,5°C erhöht.
Der Patient liegt während der Ganzkörperhyperthermie-Behandlung auf einem Bett mit einem Zeltaufbau aus reflektierenden und wärmestauenden Folien (Abb.). Die Behandlung dauert je nach Intensität etwa zwei bis vier Stunden. Meist ist eine Serie von drei bis zehn Behandlungen notwendig. Während der Behandlung erfolgt eine umfassende medizinische Überwachung.
Im Gegensatz zur Hyperthermie wirken andere Wärmeanwendungen, wie etwa die Sauna nur oberflächlich, wohingegen die Körperkerntemperatur etwa gleich bleibt. Rationale für die Wirkung der Hyperthermietherapie sind für Ilias:

  • die Modulation der Zelladhäsionsmoleküle durch den Temperaturanstieg,

  • Veränderung der Blutviskosität (höhere Flexibilität der Zellen, zum Beispiel der Erythrozyten),

  • Steigerung der Zytokinexpression,

  • Induktion von Hitzeschockproteinen,

  • Induktion von Apoptose (vor allem der Krebszellen)

Ganzkörperhyperthermie ist die thermische Anregung blockierter Selbstregulation. Die gesteuerte zielgerichtete Erhöhung der Körpertemperatur richtet sich nicht gegen Symptome, sondern beeinflusst Fehlregulationen im Gesamtorganismus, betonte Dr. Ralf Kleef, Institut für Wärme und Immuntherapie, Wien (Tab.). Indikationen sind insbesondere chronisch entzündliche Erkrankungen wie Rheumatismus, Arthrose, Asthma bronchiale, Bronchitis, Sinusitis, Morbus Crohn, Arthritis, Harnwegsinfektionen. Darüber hinaus wird die Hyperthermie mit gutem Erfolg auch als begleitende Maßnahme zur Strahlen- und/oder Chemotherapie in der Krebsbehandlung eingesetzt. Damit werden, so Kleef, diese aggressiven Therapieverfahren besser verträglich und oft auch besser wirksam. Die Lebensqualität verbessert sich auch bei schwerkranken Patienten deulich.
Dass die Ganzkörperhyperthermie nicht nur kurz-, sondern auch längerfristig zu einer Verbesserung der Klinik und des subjektiven Wohlbefindens führt, bestätigen die Ergebnisse einer Studie mit 148 Patienten. Zwei Drittel dieser Patienten, die drei bis zehn Hyperthermiebehandlungen erhalten hatten, gaben kurzfristige (unter drei Monaten) Besserungen an (retrospektive Auswertung), mehr als die Hälfte von ihnen gab auch nach drei Jahren eine Besserung (Note 1-3) ihrer Beschwerden an. Die Ergebnisse waren bei allen vier untersuchten Krankheitsgruppen (degenerative Gelenkserkrankungen, rheumatische Erkrankungen, infektiöse chronische Erkrankungen und "weitere Erkrankungen") ziemlich einheitlich.

Weitere Informationen: Institut für Wärme- und Immuntherapien, 1060, Windmühlgasse 30/2/7;
Tel. 01/585 73 11; www.hyperthermie.at

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