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19. Jänner 2006

Krankheitsaktivitätsmessung bei RA ohne Bluttest möglich

Jeder Patient mit Rheumatoider Arthritis (RA) sollte über seine aktuelle Krankheitsaktivität Bescheid wissen, fordert Prim. Prof. Dr. Josef Smolen. „Dieses Konzept funktioniert bei Diabetes, Hypertonie und vielen anderen Erkrankungen und wird auch Patienten mit chronischer Polyarthritis ermöglichen, ein noch besseres Outcome zu erreichen.“ Eine Wiener Arbeitsgruppe hat nun nachgewiesen, dass der Krankheitsindex auch ohne Labor und außerhalb von Krankenhausambulanzen jederzeit ermittelt werden kann.

Einfache Rechnung

Die häufige Bewertung der Krankheitsaktivität bei RA erlaubt das rechtzeitige Anpassen der Therapie, was einen wesentlichen Aspekt in der Prävention der Krankheitsprogression darstellt. Dazu braucht man die Werte der Akut-Phase-Proteine (APR). Diese erscheinen bei entzündlichen Erkrankungen im Serum. Sie sind sehr unspezifisch, aber hoch sensibel: Bei erhöhten APR liegt mit 99prozentiger Wahrscheinlichkeit irgendeine entzündliche Erkrankung vor. Als Maß für die Aktivität der RA werden verschiedene Indices eingesetzt, wie der Disease Activity Score (DAS28), der DAS28-CRP oder der Simplified Disease Activity Index (SDAI). Vereinfacht dargestellt, beurteilen der Arzt und der Patient 28 Gelenke. Die Ergebnisse werden addiert und zum Wert des Serum-ARP hinzugerechnet. Die Hypothese einer Forschergruppe des AKH Wien und des Krankenhauses Lainz lautete: Die APR steuern nur wenig zum SDAI bei, also sollte der CDAI (Clinical Disease Activity Index, ein SDAI ohne APR) in klinischen Studien ähnlich gut zu verwerten sein. Der CDAI verlässt sich also auf ausschließlich klinische Merkmale und kommt ohne Blutuntersuchung aus. Dr. Daniel Aletha, Medizinische Universität Wien: „Die Daten bestätigen die Hypothese: Die APR erklärten nur 15 Prozent des DAS28 und lediglich fünf Prozent des SDAI. Außerdem korrelierte der CDAI in höchstem Maße mit dem DAS28 und war vergleichbar mit der Korrelation des SDAI mit dem DAS28.“ Das bedeutet: Die Akut-Phase-Proteine liefern nur wenig zusätzlich nützliche Information über jene des CDAI hinaus. Die entscheidende praktische Konsequenz ist nicht nur das Wegfallen von entsprechenden Blutabnahmen für die Patienten. Der CDAI erlaubt auch das Bewerten der Krankheitsaktivität in jeder Situation, unabhängig von der Verfügbarkeit eines Labors und außerhalb der Krankenhausambulanzen. Patienten können öfter evauliert, die Therapie rascher angepasst und das Outcome langfristig deutlich verbessert werden. Gleichzeitig erlaubt die Einfachheit der Berechnung des CDAI es, Patienten aktiv in die neuen ehrgeizigen Therapiestrategien einzubinden, mit entsprechenden klaren Zielvorgaben. „Ein Indexwert unter 2,8 Prozent bedeutet Remission und wäre ein Traum, ein Index unter zehn bedeutet eine niedrige Krankheitsaktivität und wäre als Ziel anzustreben“, so Smolen.

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