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19. Jänner 2006

Was kostet ein Rheumatiker?

Ein österreichischer Patient im mittleren Stadium der chronischen Polyarthritis verursacht Kosten von rund 16.500 bis etwa 26.500 Euro pro Jahr. Dieser Betrag setzt sich aus medizinischen, nichtmedizinischen und indirekten Kosten zusammen, wobei die indirekten Kosten durch Krankenstand, Frühpensionierungen und Pflegegeldansprüche bei weitem überwiegen. Prim. Dr. Ernst Wagner, Rheumasonderkrankenanstalt der NÖGKK Baden, Ludwig-Boltzmann-Forschungsstelle für Epidemiologie rheumatischer Erkrankungen, hat anhand von Fragebögen eine Kosten-Analyse rheumatischer Erkrankungen, im Speziellen der chronischen Polyarthritis, in Österreich durchgeführt. Die erhobenen Daten stammen aus dem Jahr 2001. Die Gesamtkosten setzen sich aus drei Bestandteilen zusammen. Die medizinischen Kosten fallen für Diagnose, Therapie (Medikamente, Physio-, Ergotherapie etc.), eventuell notwendige Operationen und Krankenhauskosten sowie Kur- und Rehabilitationsmaßnahmen an und machen pro Patient und Jahr durchschnittlich 5.319 Euro aus. Die nichtmedizinischen Kosten umfassen Transporte etc. und verursachen Kosten in der Höhe von durchschnittlich 1.177 Euro. Rechnet man beide Beträge zusammen, ergibt sich eine Summe von rund 6.500 Euro pro Patient und Jahr. „Die indirekten Kosten durch Krankenstandstage, Pflegegeld, Frühpensionierungen etc. machen weitere 10.000 bis 20.000 Euro pro Patient und Jahr aus“, betont Wagner. Noch nicht berücksichtigt sei der Aufwand der Patienten zu Hause für notwendige krankheitsgerechte Umbauten und Adaptierungsmaßnahmen.

Frühzeitiger Pensionsantritt

Auf das enorme Ausmaß der volkswirtschaftlichen Auswirkungen rheumatischer Erkrankungen wies auch Dr. Kare Birger Hagen, Nationales Zentrum in der Rheumatologie, Oslo, Norwegen, hin. Rund ein Prozent der von ihm beobachteten Arbeitnehmer musste aufgrund einer Arthrose die Arbeit aufgeben, und zwar im Schnitt innerhalb von sieben Jahren nach der Diagnose. „Bei Frauen setzt die Invalidität oder Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Arthrose deutlich früher ein als bei Männern. Bei weiblichen Patienten beobachteten wir einen raschen Anstieg von Invaliditätsfällen nach dem 40. Lebensjahr, bei Männern erst fünf bis zehn Jahre später“, berichtete Hagen. Der Übergang in die Arbeitsunfähigkeit sei ein sehr komplexer Prozess, der nicht nur von der Krankheit selbst, sondern auch durch das Lebensumfeld und den Lebensstil geprägt werde. Niedrige Bildung, anstrengende körperliche Arbeit und Stress beeinflussen sowohl bei Männern als auch bei Frauen den Zeitpunkt der Frühpension. Hagens Studie hat die enormen volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Arthrose aufgezeigt. Die indirekten Kosten durch Krankenstände und Arbeitsunfähigkeit machen dabei den größten Teil der Gesamtkosten aus. „Strategien, durch die wir Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Arthrose vermeiden können, müssen also in Zukunft auf der Forschungsagenda höhere Priorität haben“, forderte Hagen.

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