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19. Jänner 2006

Nutzen-Risiko-Analyse von Impfungen

Keine andere Maßnahme der modernen Medizin hat mehr zur Lebensverlängerung beigetragen als das Impfen. Das größte Risiko für fehlende Impfungen sind Ärzte, die davon abraten, stellte Prof. Dr. Werner Zenz, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, im Rahmen der 43. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde Mitte September in St. Pölten fest.

Neben einer Vielzahl von Pseudoexperten, die sich in Büchern oder im Internet mit oft krausen Argumenten über die angeblichen Risken und Gesundheitsschäden durch Schutzimpfungen auslassen, gibt es auch zahlreiche Ärzte, die Eltern davor warnen, ihre Kinder impfen zu lassen. Nützen Schutzimpfungen tatsächlich mehr als sie schaden, wie hoch ist das Risiko für Gesundheitsschäden durch Schutzimpfungen wirklich? Zenz: „Eine Nutzen-Kosten-Analyse für Österreich im Hinblick auf Todesfälle und bleibende Schädigungen von Infektionserkrankungen versus Schutzimpfungen beweist eindeutig die klaren Vorteile von Schutzimpfungen.“ Das Beispiel Masern: In einer ungeimpften Population erkranken fast alle Menschen im Laufe ihres Lebens an Masern.

Masernimpfung

Im Zeitraum zwischen 1990 und 2004 hat uns deswegen die Masern- impfung etwa eine Million Masern­erkrankungen erspart, bei denen 10.450 Hospitalisierungen und 500 bis 1.000 Intensivbehandlungen notwendig gewesen wären. Bei einer angenommenen Todesrate von 1:10.000, einem Erkrankungsrisiko für postinfektiöser Encephalitis von 1:3.600 und für SSPE (subakute sklerosierende Panencephalitis) von 1:100.000 entspricht dies einer Ersparnis von etwa 100 Todesfällen, 278 Encephalitis-Fällen und zehn SSPE-Fällen. Dauerschäden in Form schwerer neurologischer Schäden wären bei 83 Erkrankten zu erwarten. Demgegenüber stehen laut österreichischer Impfschadenstatistik für denselben Zeitraum zwei anerkannte Impfschäden durch Masernimpfungen (eine Enzephalitis mit restitutio ad integrum und einen Fall mit Augenmuskellähmungen ohne Dauerzahlungen). Allerdings, so Zenz, ist ein kausaler Zusammenhang zwischen den anerkannten Impfschäden nicht wissenschaftlich bewiesen.

Pertussis-Impfung

In Österreich sind im Zeitraum 1990 bis 2004 132 Personen an Pertussis verstorben, an der Pertussis-Impfung keine. Dauerschäden, nämlich Behinderung nach Enzephalitis, wurden bei 30 Pertussis-Erkrankten und bei fünf Personen nach den Pertussis-Impfungen beobachtet („kausaler Zusammenhang zwischen den anerkannten Impfschäden nicht wissenschaftlich bewiesen“), 5,8 Prozent aller Kinder mit Pertussis erleiden Komplikationen. In der Nutzen-Risiko-Rechnung wurden, so Zenz weiter, Erkrankungsfolgen wie Pneumonien, Bronchiektasen, Leistenhernien etc. nicht berücksichtigt, es gebe auch keine Statistik über Intensivbehandlungen.

Hämophilus Influenza Typ B

Vor Einführung der Schutzimpfung war Hämophilus Influenza Typ B (HiB) der häufigste Erreger der eitrigen Meningitis mit etwa 100 Fällen invasiver HiB-Infektionen (70% Meningitis, 20% Epiglottitis, 10% Sepsis) pro Jahr. In den letzten elf Jahren wurden hingegen nur mehr vier Fälle beobachtet. Somit hat die Schutzimpfung seit 1993 in Österreich ca. 1.000 Fälle erspart. Bis jetzt gibt es in Österreich keinen einzigen Impfschaden als Folge der HiB-Impfung. Zwischen 2000 und 2004 traten weniger als 100 FSME-Erkrankungen pro Jahr auf.

FSME-Impfung

Aufgrund der Anzahl von FSME-Erkrankungen vor der FSME-Impfung (>400 pro Jahr) kann man davon ausgehen, dass uns die Schutzimpfung im Zeitraum von 1990 bis 2004 mehr als 6.000 ­FSME-Erkrankungen mit mehr als 36 Todesfällen (FSME-Letalität 0,6%) und über 1.200 Fälle mit bleibenden neurologischen Schäden erspart hat (Rate von Letalität und Dauerschäden basieren auf Studienergebnissen). Demgegenüber stehen fünf anerkannte Impfschäden (zwei Vaskulitiden, bei drei Mehrfachimpfungen), auch hier mit dem Zusatz „kausaler Zusammenhang zwischen den anerkannten Impfschäden nicht wissenschaftlich bewiesen“.

 

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