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19. Jänner 2006

Nahrungsmittelallergie: Eine europäische Plage

Die REDALL-Telefonumfrage hat gezeigt, dass Nahrungsmittelallergien ein relevantes Gesundheitsproblem der europäischen Bevölkerung sind.

Über 40.000 Erwachsene in zehn europäischen Ländern (Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Polen, Slowenien, Schweiz) wurden in einer randomisierten Umfrage zu Symptomen der Nahrungsmittelallergie bei sich selbst und einem eventuell im selben Haushalt lebenden Kind befragt. Ziel von REDALL (Reduced Allergenicity of Processed Foods) war, anhand von Telefon-Interviews mehrere Aspekte der Nahrungsmittelallergie in verschiedenen europäischen Ländern zu untersuchen. Neben der Prävalenz in einer nicht vorselektionierten Bevölkerungsgruppe (eigene An-gaben der interviewten Personen) wurden Fragen nach der Art der Nahrungsmittel, welche die Allergie auslösen, nach den Beschwerden und dem Umgang der betroffenen Personen mit dem Problem gestellt. Aufgrund der Angaben der kontaktierten erwachsenen Personen litten drei Prozent der Erwachsenen und 4,7 Prozent der Kinder an einer Nahrungsmittelallergie, wobei es signifikante geografische Unterschiede gab. Österreich befand sich mit 1,7 Prozent der Kinder und 1,9 Prozent der Erwachsenen am unteren Bereich der Skala. Der Großteil der Betroffenen nahm ärztliche Hilfe in Anspruch. Wird nur diese Gruppe für die Prävalenzerhebung berücksichtigt, dürften etwa zwei Prozent der Erwachsenen und 3,5 Prozent der Kinder in Europa an einer Nahrungsmittelallergie leiden. Als Allergie-auslösende Nahrungsmittel werden bei den Erwachsenen Früchte (28,6%) sowie Milch und Milchprodukte (26,2%) angegeben. Bei Kleinkindern stehen Milch und Ei an erster Stelle (Milch 65,2% im ersten Lebensjahr), ab dem Schulalter treten Allergien auf Früchte in den Vordergrund, was mit dem typischen so genannten „allergic march“, dem Startpunkt einer Allergiekarriere, von der Nahrungsmittelallergie zur allergischen Rhinokonjunktivitis mit oralem Allergiesyndrom interpretierbar ist. Das Organsystem, an dem sich die Nahrungsmittelallergie am häufigsten manifestiert, ist die Haut (55% der Erwachsenen und 71,5% der Kinder), gefolgt vom Gastrointestinaltrakt (32,9 bzw. 27,6%) und den Atemwegen (24,6 bzw. 18,5%). Da die Nahrungsmittelallergie im Kindesalter oft den Beginn einer Allergiekarriere kennzeichnet, sollte bei Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen danach gefragt werden, fordert Dr. Veronika Kirchlechner von der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien.

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