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19. Jänner 2006

Editorial: Ein Plädoyer für die Jugend

„Der Blickwinkel der Gesellschaft müsse sich vermehrt auf die Zukunft und Ressourcen der Jugend richten“, so der Appell der österreichischen Pädiater im Rahmen der 43. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Im Mittelpunkt der Tagung stand die in Europa noch „junge“ Spezialdisziplin Jugendmedizin mit Fokus auf die Prävention. Denn dieser Bereich der Kinder- und Jugendheilkunde scheint notwendiger denn je. Aktuellen Daten zufolge steigt der Substanzkonsum bei Jugendlichen in den letzten Jahren dramatisch an. Das Einstiegsalter für Nikotin- und Alkoholkonsum liegt bei 14 Jahren. Was die Inzidenz des Rauchens betrifft, haben Mädchen die Burschen bereits überholt.
Das gibt zu denken – Eman(n)zipation sollte nicht in diese Richtung gehen.
Direkte Suchtprävention heißt: „Hilfe zu geben bei der Persönlichkeitsentwicklung“, sind sich die Experten einig. Das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit Jugendlicher zu stärken, läuft letztlich über das Vorbild von uns Erwachsenen. Denn „Wir werden beobachtet als Eltern, LehrerInnen, KindergärterInnen und auch als Ärzt-Innen“ so der Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Max Friedrich.
Wenn täglicher Alkoholkonsum oder Rauchen ganz normal sind, nehmen auch Kinder und Jugendliche dieses Verhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit an. Ein weiterer Umstand gibt – nicht zuletzt wegen eines tragischen Ereignisses vor kurzem in einer Wiener Schule – zu denken: 17 Prozent der Mädchen und 10 Prozent der Burschen im Alter von 15 Jahren geben an, dass sie täglich unter psychischen Beeinträchtigungen wie Nervosität, Ängsten, Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit leiden. Wenn wir – selbst überlastet – unsere Kinder stundenlang vor Fernseher oder Computer sich selbst überlassen, wird sich an diesem Zustand nicht viel verändern. „Erziehung heißt letztlich anleiten, stützen, führen und lenken, aber auch Emotionen vermitteln und miteinander reden können“ (Friedrich).
Der Respekt vor der Jugend muss sich schließlich auch in der hochqualitativen medizinischen Versorgung junger Menschen widerspiegeln. Denn wir sollten nicht vergessen: „Aus Kindern von heute werden die Erwachsenen von morgen.“

Eine informative Lektüre wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Dr. Myriam Hanna-Klinger, Stv. Chefredakteurin, und das Redaktionsteam der ÄRZTE WOCHE

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