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17. Jänner 2006

Notarzt für Notarztsystem

Man könnte glauben, in Niederösterreich liege was Besonderes in der Luft. Die Wogen gingen vergangenes Jahr hoch, als eine Ärztin nicht „blitzartig“ einem Patienten zu Hilfe eilte. Da gingen offensichtlich die Uhren noch anders. Denn dieser Tage wurde ebendort die „Notarztgebühr“ zum Schlagzeilenthema. Möglicherweise war sich ein Gebietskrankenkassen-Zampano mit dem Sparstift ins Auge gefahren: Man bezahlt dem Roten Kreuz keinen Notarzteinsatz mehr, wenn sich nachträglich herausstellt, dass dieser nicht wirklich(?) notwendig war. Das Rote Kreuz wiederum schickte den „Verursachern“ umgehend einen Erlagschein. Immerhin blieben sonst Kosten in der Höhe von 518.000 Euro unbezahlt, wurde seitens des Krankentransport-Unternehmens verlautet. Es ist allgemein bekannt, dass Notarztdienste und Rettungsausfahrten Gott sei Dank nicht immer notwendig sind. Da die Anrufer in der Regel Laien sind – selbst betroffen und daher nicht frei von Panik –, ist dies auch erklärbar. Trotzdem sollte gelten: Lieber einmal zuviel ausgefahren als einmal zu wenig. In jedem Fall muss die Rettung schnell kommen. Schließlich können manchmal sogar Minuten entscheidend sein. Die Gebietskrankenkasse wiederum verlautete, als die Wogen hoch gingen, die Betroffenen mögen die Zahlungsaufforderung wegwerfen. Super! Nicht vor-zustellen, wie der Kassenwart reagiert, wenn Pflicht-Versicherte auf die Idee kämen, Prämien zurück zu fordern oder Betriebe ihre Zahlungen an diese Kasse einstellen, weil sie der Meinung sind, die Kasse wäre ihren Pflichten vielleicht nicht genügend nachgekommen. Sie hat schließlich dafür zu sorgen, dass die entsprechende Infrastruktur zur Krankenversorgung für ihre Versicherungsnehmer bereit steht. Dazu bedient sie sich verschiedener Vertragspartner, zum Beispiel der Ärzte, der Rettungsdienste, der Krankenhäuser etc. Aber – Pröll sei Dank – werden sich die Wogen wieder glätten. Zumindest für die Patienten. Ein Machtwort des Landesfürsten mit erhobenem Zeigefinger in Richtung roter Kassenwart und zum roten Gesundheitslandesrat soll Ordnung schaffen. Sonst könnte es passieren, dass im schönen Niederösterreich vor lauter Reorganisation der Spitalslandschaft und aus Gründen eines krank-gesparten Notarztsystems die Landbevölkerung schneller ins Gras beißt.

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