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17. Jänner 2006

Pneumokokken-Infektion ist bei Kleinkindern häufig

Pneumokokken sind weltweit die bedeutendsten bakteriellen Infektionserreger bei Kindern. Sie verursachen sehr häufig eine Otitis media, aber auch Sinusitis, Lobär- und Bronchopneumonie, Meningitis, Sepsis und bei Mädchen eine Peritonitis. Auf Kosten invasiver Pneumokokken-Infektionen bei Kleinkindern gehen weltweit etwa 1,2 Millionen Todesfälle.

Etwa 40 Prozent der Todesfälle infolge von Pneumokokken-Infektionen betreffen Kinder unter fünf Jahren, berichtete Prof. Dr. Ingomar Mutz, Leiter der Abteilung für Kinder und Jugendliche, Landeskrankenhaus Leoben, im Rahmen der 43. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, die im September 2005 in St. Pölten stattfand. Infektionen durch invasive Pneumokokken sind die typischen Erkrankungen von Kindern unter fünf Jahren. Mutz: „Die Inzidenz liegt vor dem sechsten Lebensmonat bei 19,3 pro 100.000, erreicht ihren Höchstwert zwischen sechstem und 12. Lebensmonat (26,6/100.000) und nimmt zwischen erstem und zweitem Lebensjahr (15,11/100.000) wieder ab. In Österreich werden jährlich zwischen 10 und 25 Fälle von Pneumokokken-Meningitis mit ein bis acht Todesopfern gemeldet.“

Erregerreservoir Mensch

Das Erregerreservoir ist der Mensch, wobei Pneumokokken in der Regel im Nasen-Rachenbereich leben, ohne etwas anzurichten. Die Besiedlungsrate beträgt während der ersten beiden Lebensjahre 60 Prozent, bei Schulkindern 25 bis 35 Prozent und bei Erwachsenen ohne Kinderkontakt zirka sechs Prozent. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Faktoren, welche das Aufflackern einer Erkrankung begünstigen, sind das Alter (sehr junge Kinder oder Personen über 65 Jahre), Begleiterkrankungen (z.B. grippale Infekte), Beeinträchtigung des Immunsystems oder chronische Erkrankungen der Atemwege (Asthma). Beide derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffe sind Totimpfstoffe. Sie enthalten nur jene Bestandteile der Pneumokokken, die für die Auslösung einer schützenden Immunantwort notwendig sind. Seit 2001 ist in der EU ein konjugiertes Vakzin gegen die sieben wichtigsten Serotypen zugelassen, der für die Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern auch in Österreich allgemein empfohlen wird. Dieser neue konjugierte Pneumokokken-Impfstoff PNC (Prevenar®) hat seine Wirksamkeit bereits eindrucksvoll in großen klinischen Studien unter Beweis gestellt. Eine 0,5 ml Dosis enthält Pneumokokkenpolysaccharide von sieben Serotypen (4, 6B, 9V, 14, 18C, 19F, 23F), womit mehr als 70 Prozent der bei Kindern in Europa vorkommenden Stämme abgedeckt werden. Eine Impfung enthält 2 bis 4 µg jedes dieser konjugierten Polysaccharid-Antigene. Die PNC-Impfung ist bis zum fünften Lebensjahr zugelassen. Empfohlen wird die Verabreichung von drei Teilimpfungen zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat (Mindestabstand vier Wochen) und eine Boosterung ein Jahr später (Schutz bis zu zehn Jahre).

Impfung derzeit nur für Risiko- und Hochrisikokinder kostenfrei

Die Impfung ist derzeit nur für Risiko- und Hochrisikokinder (siehe Tabelle) kostenlos erhältlich. Wenn Eltern aus finanziellen Gründen nicht alle vier ab dem dritten Monat empfohlenen Impfstoffdosen bezahlen können/wollen, ist es besser, die zweite Dosis im vierten Monat (und ev. auch die vierte Dosis im zweiten Lebensjahr) auszulassen, als die Erstimpfung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, auch wenn dadurch nur ein inkompletter Impfschutz gegeben ist, rät Mutz. Nach dem fünften Lebensjahr ist die Impfung im Allgemeinen wegen des geringeren Erkrankungsrisikos nicht mehr notwendig. Wurde während der ersten beiden Lebensjahre die PNC-Impfung verabreicht, so kann besonders bei Hochrisikokindern eine sequenzielle Impfung mit dem PNE-Impfstoff (Pneumo 23 Vaccine) etwa ab dem fünften Lebensjahr sinnvoll sein. Der nicht konjugierte polyvalente Pneumokokken-Impfstoff PNE (Pneumo 23 Vaccine Merieux®) enthält 23 Serotypen. Er wird besonders für Personen ab dem 60. Lebensjahr empfohlen und zur Vermeidung von schweren Pneumonien bei älteren bzw. in ihrer Abwehr geschwächten Personen eingesetzt. Er ist erst ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen, vermittelt einen Schutz für drei bis fünf Jahre und ist nicht boosterbar. Es sind daher, etwa bei erhöhtem Infektionsrisiko, neuerliche Impfungen nach drei bis fünf Jahren notwendig.

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