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9. Jänner 2006

Migräne-Recurrence vorbeugen

Migränepatienten mit häufigen Wiederkehrkopfschmerzen (Recurrence) und langen Attacken profitieren besonders von einer Therapie mit einem lang wirkenden Triptan wie Frovatriptan. Den idealen Zeitpunkt für die Einnahme bei Attacken kann man anhand eines Scores bestimmen.

Bei Patienten mit Migräne lohnt es nachzufragen, was für sie bei einer Therapie besonders wichtig ist. Die einen wollen vor allem rasch schmerzfrei werden. Andere mit langen Attacken legen Wert darauf, keinen Wiederkehr-Kopfschmerz zu bekommen. Kennt man die Präferenzen, kann man etwa eine Triptantherapie genau anpassen.

Patienten-Befragung

Befragungen unter Migränepatienten ergaben: 87 Prozent wünschen sich als Erstes Schmerzfreiheit innerhalb von zwei Stunden. Aber fast ebenso viele (86 Prozent) stellen den Schutz vor einer weiteren Attacke ganz obenan. 83 Prozent wünschen sich einen raschen Wirkungsbeginn, und 79 Prozent legen vor allem Wert auf eine gute Verträglichkeit der Therapie.„Wenn wir die Wahl zwischen mehreren Medikamenten haben, wie bei den Triptanen, sollte die Präferenz der Patienten auf jeden Fall berücksichtigt werden“, sagte der Neurologe Prof. Michel Ferrari von der Universität Leiden in den Niederlanden bei einer Migräne-Konferenz in Mestre bei Venedig. Präferenzen und die Therapie-Bewertung durch Patienten sollten stärker in vergleichenden Untersuchungen berücksichtigt werden. Schon heute gelte für Migränepatienten, dass nicht nur der rasche Wirkeintritt, also die Schmerzfreiheit innerhalb von zwei Stunden, sondern dass auch etwa der Schutz vor Wiederkehr-Kopfschmerzen wichtige Kriterien sind.

Beurteilung der Therapie

Fachgesellschaften beurteilen die Güte einer Migränetherapie vor allem anhand der Rate der Patienten, die innerhalb von zwei Stunden schmerzfrei werden. Wiederkehr-Kopfschmerzen und Halbwertszeit der Substanzen stehen in inverser Beziehung, so Prof. Stephen D. Silberstein aus Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania. Frovatriptan habe eine Halbwertszeit von 25 Stunden und eine Rückfallrate von 17 Prozent bei ähnlich guter Wirksamkeit wie andere Triptane, so Silberstein bei einer von der Menarini-Gruppe unterstützten Veranstaltung. Zu der Gruppe gehört auch das Unternehmen Berlin-Chemie in Deutschland. Frovatriptan wirke vor allem an den Hirngefäßen, kaum an den Koronarien, so der Neurologe Dr. Miguel Lainez aus Valencia, Spanien.

Lang wirksames Triptan

Das Triptan sei besonders eine Option für Patienten, die einer Verschlimmerung der Migräne oder einem Wiederauftreten vorbeugen wollten. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt, Migränepatienten mit mittelschweren bis schweren Attacken von Anfang an mit Triptanen zu behandeln. Prof. Hartmut Göbel, Leiter der Schmerzklinik in Kiel, hob die lange Halbwertszeit von Frovatriptan (in Österreich Eumitan®) hervor. Sie liegt mit 26 Stunden wesentlich höher als die aller anderen Triptane. Deshalb komme es auch bei langen Migräne-Attacken nicht zu einem „Wirksamkeitsloch“. Wiederkehrkopfschmerz könnten mit diesem Triptan deswegen wirkungsvoller verhindert werden als mit anderen Triptanen, so Göbel.

Frühzeitiger Beginn der Therapie empfohlen

Die Substanz sei außerdem besonders geeignet für empfindliche Patienten, die gerade in Allgemeinarztpraxen und bei Internisten eine sehr große Gruppe bildeten, sagte Göbel. Grund ist die gute Verträglichkeit. Die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen liegt bei der empfohlenen Dosis von 2,5 mg und bei der doppelten Dosis (5 mg) im Placebobereich. Unabhängig vom gewählten Triptan empfiehlt Göbel einen frühen Beginn der Behandlung. „Triptane hemmen die Freisetzung von Neuropeptiden, die eine schmerzhafte Entzündung der Blutgefäße verursachen“, so Göbel. Durch eine frühe Einnahme sei hier eine gewisse Vorbeugung möglich. Um den idealen Zeitpunkt abzupassen, empfiehlt Göbel seinen Patienten die Bestimmung der Triptanschwelle. Das geht mit einem Score, in den unter anderem die Schmerzintensität, der Schmerzort, der Schmerzcharakter, außerdem Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit eingehen. Wird auf der Skala ein Punktwert von mindestens 5 erreicht, sollte das verordnete Triptan eingenommen werden.

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