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9. Jänner 2006

Aktiv gegen den chronischen Schmerz

200.000 Österreicher leiden an chronischen Schmerzen. Ihnen zu helfen, ist eines der Ziele der Universitätsklinik für Anästhesie am AKH Wien.

Die Zahl der Patienten mit chronischen Schmerzen nimmt stark zu. Schmerzen auszuschalten und zu beseitigen ist ein wesentlicher Bestandteil der Anästhesie während, vor und nach der Operation. Daher engagieren sich Anästhesisten vermehrt bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen. Um die nötigen Therapien entwickeln zu können, wurde die Schmerzforschung in den letzten Jahren stark ausgebaut. „Da mir das Wohl meiner Patienten am Herzen liegt, ist mir wichtig, dass die Forschung bestehende Diagnosemöglichkeiten optimiert und die Schmerzmechanismen intensiver erforscht, um den chronischen Schmerzpatienten gezielter behandeln zu können“, erklärt Prof. Dr. Michael Zimpfer, Vorstand der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin, bei einer Pressekonferenz vorige Woche in Wien.

Genaue Schmerzdiagnostik mit sensorischen Messungen

Eine präzise Schmerzdiagnostik ist der Schlüssel für eine bessere und patientengerechtere Schmerztherapie. Unter der Leitung von Prof. Dr. Burkhard Gustorff wird die Diagnostik von Nervenschmerzen mit quantitativer sensorischer Testung (QST) weiterentwickelt. Modernste Geräte finden die individuelle Schmerzempfindlichkeit des Patienten. „Schon heute ist es möglich, bei Patienten mit Schmerzen z.B. nach Gürtelrose mit dieser Diagnostik die Wirksamkeit von Schmerzmitteln vorherzusagen. Künftig soll eine moderne Schmerzdiagnostik dazu beitragen, den persönlichen Behandlungsplan der Patienten genauestens festzulegen“, betonte Gustorff.

Interventionelle Schmerztherapie mit Epiduroskopie

Neben der herkömmlichen medikamentösen Schmerztherapie hat sich in den letzten Jahren die so genannte interventionelle Schmerztherapie in Österreich etabliert. Ziel der interventionellen Schmerztherapie ist es, eine dauerhafte Schmerzlinderung zu erreichen, indem man direkt auf die Schmerzursache einwirkt oder diese blockiert. Die neueste Möglichkeit der interventionellen Schmerztherapie ist die Epiduroskopie. Der Eingriff erfolgt mit Hilfe eines Epiduroskops, das durch die Wirbelsäule gelenkt wird. „Vor allem bei der Diagnose und Therapie von chronischen Rückenschmerzen ist die Epiduroskopie äußert hilfreich. Das minimal-invasive Verfahren wird nach einer lokalen Betäubung in Bauchlage durchgeführt,“ erklärt Dr. Renate Barker von Klinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin. „Hochwertige Farbbilder auf CD-Rom vermitteln dem Arzt ein visuelles Verständnis vom Rückenmark des Patienten.“ Die epidurale Untersuchung dauert etwa eine Stunde und ist für den Patienten schmerzlos. „Die Vorteile der Epiduroskopie liegen auf der Hand: Sicherung der Analgesie bei chronischen Schmerzen und erhöhter Patientenkomfort, weil keine großen Operationen mehr notwendig sind,“ bestätigt auch Zimpfer. Am 4. November 2005 findet in Wien der erste Schmerztag im Rathaus statt. Präsidentin Barker: „Chronische Schmerzen stellen eine enorme Belastung dar und haben auch Auswirkungen auf das emotionale, psychosoziale und berufliche Umfeld des Patienten.“

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