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9. Jänner 2006

Editorial: Schmerzen als Gesamtbild wahrnehmen

Nahezu jeder Mensch macht während seines Lebens die Erfahrung mit mehr oder weniger starken Schmerzen. Auch der Einfluss, den Schmerzen auf unser globales Wohlbefinden nehmen, ist den meisten bekannt. Mit den heute zu Verfügung stehenden Mitteln kann dieses Leid jedoch verhindert werden, sind Experten überzeugt. Von einer sinnvoll abgestuften Schmerzversorgung sind wir derzeit jedoch noch weit entfernt, wie jüngste Umfrageergebnisse zeigen. Diesen zufolge wird ein großer Anteil jener Menschen in unserem Land, die an dauerhaften schweren Schmerzen leiden, nur unzureichend behandelt. Ein Umstand, der durchaus vermeidbar wäre. Vieles ist auf dem Gebiet der Schmerzversorgung also nach wie vor verbesserungswürdig. Diagnosemöglichkeiten müssen weiter optimiert, Schmerz-mechanismen intensiver erforscht werden. Interessante Erkenntnisse gibt es beispielsweise über das Phänomen der Hyperalgesie im Rahmen sehr starker oder chronischer Schmerzen sowie in Verbindung mit Opioideinnahme. Auch auf dem Gebiet der Schmerztherapie gibt es neue Entwicklungen. Neben den laufenden Diskussionen über den Einsatz von NSAR, Coxiben und Opioiden zur herkömmlichen medikamentösen Therapie gibt es die neue Möglichkeit der interventionellen Schmerzbehandlung. Das minimal-invasive Verfahren der Epiduroskopie kann vor allem bei chronischen Rückenschmerzen direkt auf die Ursache einwirken und diese blockieren. Da sich vor allem chronische Schmerzen nicht an die Grenzen eines medizinischen Fachgebietes halten, ist interdisziplinäre Zusammenarbeit gefordert. Der Schlüssel zum Erfolg eines funktionierenden Schmerzmanagements liege, so die Experten, in einer multimodalen Vorgehensweise. Da die medikamentöse Therapie nur einen Teil des komplexen Gebietes abdeckt, kommt physikalischen Maßnahmen und psychologischen Interventionen sowie der Fähigkeit zu differenzierter Gesprächsleistung ein ganz wesentlicher Stellenwert in der Behandlung Schmerzkranker zu. Neben der notwendigen Erfahrung im Umgang mit Schmerzpatienten kann vor allem eine strukturierte Ausbildung zur Entwicklung einer qualitativ hochwertigen Schmerzversorgung beitragen. Um dieses Ziel möglichst rasch und praxisnah umzusetzen wurde neben der Veranstaltung von Schmerzsymposien auch eine Schmerz-akademie geschaffen. Ein Schritt mehr in die richtige Richtung.

Ein interessante Lektüre wünscht Ihnen

Die Redaktion

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