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20. Dezember 2005

Praterstimmung im Museum (Altes Medizinisches Wien 6)

Teile des seinerzeit bekannten anatomischen, pathologischen und ethnologischen Museums des Hermann Präuscher können heute noch nahe dem Wiener Riesenrad bewundert werden. Eine Koje des Pratermuseums ist diesem "Menschenmuseum", angesiedelt zwischen naturkundlichem Kabinett, Panoptikum und "wissenschaftlicher" Sexualaufklärung, gewidmet.

Das Pratermuseum, nach Umbau und inhaltlicher Umgestaltung 1993 wiedereröffnet, besteht als Außenstelle des Historischen Museums der Stadt Wien seit 1964.
Entstanden ist das Museum aus der Sammlung des bekannten Wiener Heimatforschers Hans Premmer, der seine in Jahrzehnten zusammengetragene Sammlung den Museen der Stadt Wien zur Verfügung gestellt hatte.

Das gesamte Panoptikum des "Wurstelpraters", von Achterbahn, Dame ohne Unterleib, Geisterbahn, Menagerien und Menschenschauen über Riesen, Ringelspiele und Rumpfmenschen bis zum Watschenmann, Zauberer und Zwerg, wird hier in Modellen, Plakaten, Fotos und Originalen lebendig. Aber auch ein Stückchen Wiener Medizingeschichte befindet sich hier im Prater. Hermann Präuschers legendäres anatomisches, pathologisches und ethnologisches Museum im Wiener Prater wurde zwar im Zweiten Weltkrieg zerstört. Teile der Sammlung blieben aber erhalten und befinden sich heute im Pratermuseum und in privaten Händen.

In einer kleinen Koje finden sich Fotos, Postkarten und Objekte dieses "Menschenmuseums", ein männlicher Torso als anatomisches Modell, hergestellt um 1900 in Dresden, und Wachsfiguren wie "das ruhende Mädchen" und "Amor in Tränen". Objekte, die im "Führer durch das anatomische, pathologische und ethnologische Museum von H. Präuschers Nachfolgern" unter den Kapiteln "neueste anatomische Meisterwerke" und "Akademische Figuren" beschrieben sind. Dem Zeitgeist entsprechend war die Schau immer irgendwo zwischen naturkundlichem Kabinett, Panoptikum und "wissenschaftlicher" Sexualaufklärung angesiedelt.  Daneben zeigen noch Fotos die einstigen Sensationen des Praters. Riesen, Zwerge, Knochenmenschen und Haarmenschen, siamesische Zwillinge und Vogelkopfmenschen, traten bis zum Zweiten Weltkrieg in Menschenschauen im Prater auf. Von solchen Abnormitäten wird heute niemand mehr angezogen. Das Fernsehen liefert solche und noch viel schrecklichere Dinge direkt ins Wohnzimmer.

Das Museum, das nach dem Willen der Verantwortlichen Praterstimmung auch in das Museum holen will und mehr Prater als Museum sein will, bietet eine einzigartige Dokumentation über die wechselvolle Geschichte des Praters mit seinen großen und kleinen Sensationen und eben auch ein bisschen, wenn auch skurrile Medizingeschichte.

Pratermuseum: 
Wien, 2. Bezirk; Oswald Thomasplatz, Planetarium 
Tel.: 249 43 277
Dienstag bis Freitag 9 bis 12.30 und 13 bis 16.30
Samstag, Sonntag und Feiertag 14 bis 18.30 Uhr

Wolfgang Regal/Michael Nanut, Ärzte Woche 34/2002

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