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Innere Medizin 14. Dezember 2005

Pulsdruck klassifiziert kardiovaskuläres Risiko

Ein hoher Pulsdruckwert charakterisiert die fortgeschrittene Atherosklerose. Ab einem Wert von mehr als 65 mmHg nimmt das kardiovaskuläre Risiko deutlich zu. Im Rahmen der 12. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie Ende Oktober in Wien wurden Bedeutung und Therapie des erhöhten Pulsdrucks diskutiert.

Während der diastolische Blutdruck mit jeder Lebensdekade abnimmt, steigt der systolische Blutdruck, auch bei normotensiven Personen, meist mit dem Alter kontinuierlich an. Deshalb ist der diastolische Blutdruck nur bei jüngeren PatientInnen, unter 60 Jahren, für die Diagnostik, Schweregradbeurteilung und Therapiesteuerung der Hypertonie aussagekräftig. „Dies ist auch der Grund, warum der Begriff der isolierten systolischen Hypertonie (RR =140/ <90mmHg) in diverse Guidelines, auch in jene der Österreichischen Hypertensiologie Gesellschaft, aufgenommen wurde“, erläuterte der Kardiologie Dr. Wolfgang Weihs von der Abteilung für Kardiologie und Intensivmedizin am Landeskrankenhaus Graz West in einem Vortrag im Rahmen eines von Roche unterstützten Symposiums anlässlich der Jahretagung der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie. Die Abnahme der Elastizität der großen Gefäße mit reduzierter Windkessel-Funktion und eine beschleunigte Pulswelle mit gesteigerter Reflexion sind die Ursachen für einen erhöhten Pulsdruck (Definition siehe Kasten). „Ein sehr hoher Pulsdruck ist daher in erster Linie als Ausdruck der fortgeschrittenen Atherosklerose zu interpretieren“, so Weihs. Einheitliche Normwerte für den Pulsdruck wurden noch nicht in die nationalen und internationalen Richtlinien aufgenommen, diskutiert wird ein Normwert von 50 mmHg für Frauen und Männer. „Von einem pathologischen Pulsdruck sprechen wir ab einem Wert von 65 mmHg, weil ab diesem Wert das kardiovaskuläre Risiko deutlich zunimmt“, erläuterte Weihs. Ziel einer adäquaten antihypertensiven Therapie beim älteren Patienten muss es daher sein, den Pulsdruck auf unter 65 mmHg zu senken.

Circulus vitiosus

Besteht über längere Zeit ein unbehandelter erhöhter Pulsdruck, führt dies zur Atherosklerose der großen Gefäße und in der Folge zu einem weiteren Anstieg des Pulsdrucks – ein Circulus vitiosus entsteht. „Ein hoher Pulsdruck mit arterieller Hypertonie, das heißt systolischen Blutdruckwerten über 140 mmHg, stellt einen unabhängigen kardiovaskulären Risikofaktor dar“, hielt Weihs weiter fest. „Das bedeutet, dass ein über 60-jähriger Patient mit einem Blutdruck von 150/65 mmHg ein wesentlich höheres kardiovaskuläres Risiko aufweist, als ein Patient mit 140/85 mmHg bei einem Pulsdruck von 65 mmHg.“ Mehrere randomisierte Hypertoniestudien konnten zeigen, dass ein Pulsdruck von über 65 mmHg das Risiko eines Schlaganfalls, einer koronaren Herzerkrankung, einer Herz- und einer Niereninsuffizienz signifikant erhöht.

Adäquate Therapie

Ein weiteres Ergebnis der genannten Studien: Mit einer antihypertensiven Therapie, die den Pulsdruck unter 65 mmHg senkt, kann das erhöhte kardiovaskuläre Risiko signifikant gesenkt werden. In den meisten Hypertoniestudien wurden Diuretika oder Calcium-Antagonisten vom Typ Dihydropyridin eingesetzt. Diese beiden Substanzen wurden daher auch in den aktuellen Richtlinien als Therapie der ersten Wahl angeführt. „Als wirksam hat sich auch eine Therapie mit Carvedilol plus Hydrochlorothiazid* erwiesen“, berichtete Weihs. In einer großen Praxisstudie an mehr als 5.000 PatientInnen konnte nachgewiesen werden, das mit Co-Dilatrend® der Pulsdruck erfolgreich von initial 72 +/-15 auf 55 +/-11 reduziert werden konnte. „Das Ausmaß der Pulsdrucksenkung war dabei vom Ausgangswert abhängig“, hielt Weihs weiter fest. „Je höher der initiale Pulsdruck, desto ausgeprägter ist auch die Reduktion.“

 detail

* Handelsname: Co-Dilatrend®

 

Sabine Fisch, Ärzte Woche 32/2001

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