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14. November 2005

Kasperltheater Colon-Vorsorge

Also, sie war endlich fällig – die „Vorsorge neu“. Bis es soweit war, wurde endlos um diverse Parameter gefeilscht. Hinsichtlich Formularwesen und Administration wurde nur jede „kreative Idee“ ausgelebt. Aber schließlich war es soweit: Die Frau Bundesminister war bereit, mit der Vorsorge-neu an die Öffentlichkeit zu treten. Wahrscheinlich passte es gerade in den so vollen Terminkalender – so zwischendurch. Da macht es natürlich nichts, dass Rahmenbedingungen und Tarife noch nicht fixiert sind.
Besonders betroffen davon ist die Darmkrebsvorsorge, die Colonoskopie. Während in Deutschland dieselbe schon seit Jahren Standard ist, mussten hierzulande erst alle Details lange diskutiert werden. Nunmehr scheint sie zwar im Vorsorgeprogramm auf, aber die Schaffung der Rahmenbedingungen lässt auf sich warten. Der Hauptverband übt seine alte Taktik: verzögern, verzögern, verzögern. Was bei der Pharma hilft, wird ja wohl auch dann helfen, wenn es darum geht, eine ärztliche Leistung wie die Dickdarmspiegelung an den Versicherten zu bringen. Probates Mittelchen ist, einen Tarif und Rahmenbedingungen zu oktroyieren, die für Ärzte schlichtweg inakzeptabel sind.
Seitens der Wiener Ärztekammer wurde eine betriebswirtschaftliche Kostenanalyse in Auftrag gegeben, die die Honoraransätze des Hauptverbandes und derÖsterreichischen Ärztekammer einer groben Unterdeckung straft. Kein Wunder, dass fast dreiviertel der Colonoskopien in Krankenhäusern durchgeführt werden. Wo unter Abgangsdeckung gearbeitet wird, ist es leichter, eine unterfinanzierte Untersuchung zu erbringen. Zwar könnte die Darmspiegelung und auch die gegebenenfalls notwendige Polypektomie im nie-dergelassenen Bereich kostengünstiger erbracht werden, aber auszahlen muss es sich alle Mal.
Der Tarifvorschlag der ÖÄK-Verhandler von 200 Euro – vielleicht noch inklusive Polypektomie und Sedo-Analgesie –, der sich angeblich bei 800 Colonoskopien pro Jahr rechnet, ist unter den gegebenen Auflagen schlichtweg ruinös, darüber hinaus für jeden Endoskopiker mit Kassenpraxis unvorstellbar. Hieße dies doch, dass durchschnittlich neben der Betreuung und Versorgung aller anderen Patienten noch vier Darmspiegelungen pro Arbeitstag anfallen. Dass z.B. in Wien trotzdem an die 10.000 Darmspiegelungen in Praxen durchgeführt werden, liegt eher daran, dass den Ärzten in diesen Fällen die Betreuung ihrer Patienten mehr am Herzen liegt als ihre Brieftasche. Faktum ist, dass es seitens der Politik und seitens des Hauptverbandes gilt, der österreichischen Bevölkerung unter Vermeidung einer „Zwei-Klassen-Medizin“, im Rahmen der Vorsorge die Dickdarmspiegelung anzubieten. Hier genügt nicht, Ankündigungspolitik zu betreiben, hier muss man für die Umsetzung sorgen. Das halbherzige Honorarangebot ist nicht geeignet, die Dickdarmkrebs-Früherkennung zu fördern. Will man die Colonoskopie wirklich in den Vorsorgekatalog aufnehmen, wird das ca. 20 Millionen Euro verlangen. Oder anders ausgedrückt: Jedes rechtzeitig erkannte Karcinom wird nur Euro 4.000 kosten. Eigentlich wenig, wenn man sich ausmalt, welche Kosten andernfalls zu einem späteren Zeitpunkt anfallen können.

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