zur Navigation zum Inhalt
 
14. November 2005

„Zehn Gebote“ für Ärzte

Also jetzt ist Schluss mit lustig. „Aus mit Großwild-Safaris und Kampfjetflügen für Ärzte“, verkündete dieser Tage eine Pharmafirma, nachdem sie unter Kritik geraten war. Recht hat sie! Schließlich ist sie ja nur den hemmungslosen Wünschen von Ärzten nachgekommen. Passt irgendwie in den aktuellen Mainstream. Selbst der Ärzte-Obercapo durfte dieser Tage „Null Toleranz“ verkünden, wenn es um Zuwendungen der Pharmaindustrie an Ärzte geht: „Zehn Gebote“ – neudeutsch „Code of Conduct“ benannt. Latein ist out, „Inglisch“ ist in. Aber was soll’s, wir brauchten ziemlich dringend ein bisschen Selbstgeißelung mit Atem raubendem Knebel für die Zukunft. Fortbildung darf dann nur mehr akzeptiert werden, wenn sicher gestellt ist, dass der Sponsor damit nicht nachhaltig Eigeninteressen transportiert.
Hallo! Gibt es irgendjemand auf dieser Welt, der im Big Business eines Konzerns nicht Rechenschaft abzulegen hat? Die Arzneimittelbranche wird hier wohl ab sofort eine Ausnahme zu bilden haben, wenn sie uns Ärzte zu einem Bezirksärztetreffen bittet. Vielleicht wird in Zukunft die „Pillenfirma“ Präparate der erektilen Dysfunktion und vice versa promoten. Da kann niemandem etwas passieren. Sicherheitshalber sollten dann vielleicht die für Notizen bereit gestellten Kugelschreiber anstelle des Firmenlogos eines der „Zehn Gebote“ zieren. Das könnte für Ärzte einen ungemeinen Vorteil haben: „Wer alle Zehn Gebote vorweisen kann, bekommt zehn Fortbildungspunkte extra!“ Da hätten wir alle was davon. Fortbildung, Punkte und eine weiße Weste. Und die Pharmaindustrie könnte bei ihren Shareholdern Bonusmeilen für den Himmel verteilen. Also wirklich ein Vorteil für fast alle. Wenige, wirklich ganz wenige werden dann auf Jet-Loopings, Angelausrüstung und Golfausstattung mit Pharmaemblem verzichten müssen. Sei’s drum – ich kenne trotz großen Bekanntenkreises ohnehin keinen einzigen derartig „Beglückten“. Zwei Fragen wird man sich aber in diesem Zusammenhang wohl erlauben dürfen:

  1. Wie verhält es sich mit den so genannten Studienreisen von heimischen Regierungsmitgliedern, z.B. die des Finanzministers zum Grand-Prix in Monaco oder die der Gesundheitsministerin nach Finnland zum Studium einer zentralen Datenbank?
  2. Warum darf denn nicht darüber geredet werden, dass Naturalrabatte für Hausapotheken, vielleicht auch für Krankenhaus-apotheken zwar noch legal sein dürften, aber sicher ethisch hart an der Grenze des Erträglichen schrammen?

Keine Frage: Die Oberzampanos kümmern sich so sehr um unser „Wohlbefinden“, dass ihnen für solch lästige Details gar keine Zeit mehr bleibt. Gebote gelten fürs Volk – und nicht für „Götter“.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben