zur Navigation zum Inhalt
 
14. November 2005

Wer will Metaller sein?

Früher als erwartet ist er gekommen: der e-card-Supergau. Samstag früh – Gott sei Dank waren nur knapp 600 Praxen online – ging im Zuge einer Wartung das System ein. Projektleiter Volker Schörghofer quälte sich fürs Fernsehen ein Lächeln ab und erklärte den Schaden für nur minimal. Nach fast drei Stunden Ausfall konnten ja die betroffenen Ärzte die Daten bei Bedarf nachtragen. Wirklich Suuuuper!
Industrie und Kassen haben sich der Krankenscheine entledigt – und wenn dann mal das System abstürzt, können ja die Kassenärzte alles nachtragen. Wurde vielleicht sogar ein Samstag dafür gewählt, um ein bisschen die Resonanz auszuloten? Es ist ja glimpflich abgegangen: War ja nur ein Samstag, und außerdem sind noch nicht alle Kassenärzte dem System angeschlossen. Nicht auszudenken, wenn der Ausfall wochentags, vielleicht auch noch während der Grippezeit im Vollbetrieb passiert wäre. Wie es aussieht, holen sich die Letztver-antwortlichen keinen Schnupfen.
Kassenärzte müssen endlich an ihre Zukunft denken: Bei ihnen bleibt die Arbeit, bei ihnen bleibt das Risiko. Dass GINA-Box und deren Anschluss von der Sozialversicherung bezahlt werden, wird als Errungenschaft dargestellt. Von Rechts wegen müsste es eigentlich anders sein. Diejenigen, die sich dieses kostspielige Spielzeug wünschen, sollten nicht nur für die Anschaffung, sondern auch für den „Spiel“-Betrieb aufzukommen haben. Die Realität schaut traurig aus: Die Anschaffung der GINA-Box und die Leitungskosten für die nächsten zwei Jahre sind gestützt. Dann haben die Kassenärzte das volle Bummerl.
Nach der so tollen Einführungsphase schaut es noch schlechter aus. Fragen sie diesbezüglich lieber keinen Funktionär der Österreichischen Ärztekammer oder der Sozialversicherung, denn diesen macht diese Perspektive der meisten Kassenärzte wenig Kopfzerbrechen.
Völlig unverständlich ist, wieso keine ordentliche Folgekostenrechnung vorliegt, die in Tarifverhandlungen zwingend eingebracht wird. Würde man zum Beispiel – und der Einfachheit halber – jenen Tarif den Kassen in Rechnung stellen, die sie ihrerseits nicht elektronisch abrechnenden Ärzten aufbrummt, ließen sich wenigstens die beim Arzt anfallenden Kosten teilweise abdecken. Um nicht missverstanden zu werden: Diese Kosten sind natürlich zusätzlich zu verrechnen. Zusätzlich zu einer Punktewert- und Scheinwertanpassung in Analogie zu den Metallerabschlüssen. Wie es aber ausschaut, braucht man für solche Ergebnisse in den Ärztekammern ähnliche Kaliber wie den Herrn Nürnberger. Manchmal möchte man als Kassenarzt wohl gern Metaller sein.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben