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9. November 2005

Schon vor dem Frühstück auf 170

„Ziel einer antihypertensiven Therapie ist es, den Blutdruck über den gesamten Zeitraum von 24 Stunden zu normalisieren“, betont Prof. Dr. Roland E. Schmieder, Universitätsklinikum Erlangen. Der Zielblutdruck ist für jeden Patienten unter Berücksichtigung der individuellen Risikokonstellation festzulegen. Erhöhte Blutdruckwerte in den frühen Morgenstunden verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Bei der Blutdruckmessung in der Praxis werden die frühen Morgenstunden häufig nicht erfasst. Der 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABDM) und auch der Selbstmessung des Patienten kommen für die Beurteilung dieser kritischen Tagesphase deshalb besondere Bedeutung zu. Der Blutdruck unterliegt einem zirkadianen Rhythmus mit einer deutlichen Absenkung in der Nacht um 15 Prozent und einem Blutdruckanstieg in den Morgenstunden. Auch bei essenziellen Hypertonikern besteht diese Rhythmik, allerdings auf einem erhöhten Niveau. Kardiovaskuläre Ereignisse wie Myokardinfarkt, Schlaganfall oder plötzlicher Herztod folgen dem gleichen Rhythmus. Die Hypertonie ist der bedeutendste Risikofaktor für Schlaganfall. Patienten mit deutlich erhöhten Blutdruckwerten in den frühen Morgenstunden haben demzufolge ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Aber auch Endorganschäden wie linksventrikuläre Hypertrophie (LVH) und Mikroalbuminurie (MAU) sind bei Patienten mit Morgenhochdruck stärker ausgeprägt als bei Patienten mit normotonen Blutdruckwerten in dieser frühen Tagesphase.

Morgenhochdruck nicht ­hinnehmen

Jeder frühmorgendliche Blutdruckwert oberhalb der individuell festgesetzten Grenzen sollte zunächst als Morgenhochdruck betrachtet und entsprechend behandelt werden. Zur Sicherung der Diagnose können gezielte Blutdruckmessungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Praxis durchgeführt werden. Eine gezielte Ausweitung der Selbstmessungen zur Erstellung eines Tagesprofils kann hilfreich sein (mehrmaliges Messen des Blutdrucks über den Tag). Als Goldstandard zur Beurteilung der zirkadianen Rhythmik des Blutdrucks ist die 24-Stunden-Blutdruckmessung etabliert. Sie kann nicht nur einen Morgenhochdruck sicher identifizieren, sondern auch wichtige Hinweise auf sekundäre Hypertonieformen liefern (zum Beispiel eine fehlende nächtliche Blutdrucksenkung). Die Non-Compliance des Patienten ist eine der häufigsten Ursachen für eine nicht ausreichende Blutdrucksenkung. Die Patienten sollten daher gezielt darauf angesprochen werden.
Innerhalb einer Substanzgruppe (zum Beispiel Angiotensinrezeptorblocker) gibt es hier deutliche Unterschiede bezüglich der Halbwertszeit. Es empfiehlt sich die bevorzugte Verwendung von Substanzen, die auch noch zum Zeitpunkt der nächsten Medikamenteneinnahme eine volle Blutdruck-senkende Wirkung haben und auch einmal einen Einnahmefehler „verzeihen“. Weiters sollten das Potenzial der Medikamente durch optimale Dosierung ausgeschöpft und mögliche Synergien einer Kombinationstherapie sinnvoll genutzt werden. Grundsätzlich sollten eine Wasser- und Natriumretention (erhöhte Natriumzufuhr, nachlassende Nierenfunktion) sowie eine sekundäre Hypertonie ausgeschlossen werden. Der behandelnde Arzt sollte versuchen, den Patienten zur regelmäßigen Tabletteneinnahme motivieren, und ihm anbieten, an einer Hypertonieschulung teilzunehmen. Die Blutdruckselbstmessung ermöglicht eine zuverlässige und kostengünstige Therapieüberwachung und verbessert in der Regel die Therapietreue.

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