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Neurologie 27. Oktober 2005

Zornesfalte kann Migräne verursachen

Alle bislang etwa 100 verfügbaren Therapieverfahren bei Migräne können die Schmerzen nur lindern und die Zahl der Attacken senken.

Eine deutliche Abnahme der Symptomatik oder gar Heilung verspricht eine Op-Methode aus den USA. Dabei wird Muskulatur entfernt, die eine Migräne auslösen kann. „Die Behandlung ist kein Allheilmittel. Sie ermöglicht nur bei bestimmten Migränetypen erhebliche Schmerzlinderung oder gar Heilung und stellt eine Alternative zu den bislang gängigen etwa 100 Therapien dar“, betont PD Dr. Thomas Muehlberger, Berlin. Diese reichen über Medikamente, Verhaltenstherapien und Akupunktur bis zur Homöopathie. Der Plastische Chirurg schätzt, dass durch die Operation zwischen fünf und zehn Prozent der Betroffenen geholfen werden könnte. Das sind Patienten, deren Schmerzen an den Schläfen, der Stirn oder über den Augen lokalisiert sind. Bei dem Eingriff werden die Muskeln über dem Auge entfernt, die für die Bildung der so genannten Zornesfalten zwischen den Augenbrauen zuständig sind.

Bei einigen Patienten entsteht Migräne nicht im Gehirn

Der Eingriff wird unter Vollnarkose ambulant vorgenommen und dauert zwei Stunden. Zu den Muskeln gelangt man über einen kleinen Schnitt in der Augenlidfalte. Die Methode basiert auf der Theorie, dass bei einigen Menschen Migräne nicht im Gehirn, sondern außen am Kopf entsteht. Durch ständiges Anspannen wird eine Verästelung des Trigeminus-Nervs im Muskel dauerhaft gedrückt und dadurch gereizt. Das führt zur Ausschüttung von Entzündungsmediatoren, die dann die schweren Kopfschmerzattacken auslösen. Durch die Entfernung der Muskeln kann der Nerv nicht mehr komprimiert werden. An der Universitätsklinik in Cleveland, wo die Methode entwickelt wurde, sind in den letzten vier Jahren bereits mehrere hundert Migränepatienten behandelt worden. Eine erste Studie aus dem Jahr 2000 belegte bei 31 von 39 operierten Patienten eine deutliche Linderung der Migräne. 16 der Patienten berichteten über eine sehr deutliche Verbesserung, weitere 15 wurden völlig beschwerdefrei.

Als Test wird die Muskulatur mit Botulinum-Toxin gelähmt

Vor der Operation wird die Migräne von einem Neurologen diagnostiziert und der Migränetyp festgestellt. Dazu muss der Patient einen umfangreichen Fragenkatalog beantworten. Scheint der Migränetyp und damit der betreffende Patient für die Operation geeignet, wird das Nervengift Botulinum-Toxin in die Muskulatur unter den Augenbrauen injiziert, das die Muskeln lähmt. „Dies hat sich in der Vergangenheit als verlässlicher Hinweis für die Wirksamkeit nachfolgender Operationen erwiesen. Werden durch die Botulinum-Toxin-Injektion die Migräne-Symptome bei den Patienten in den folgenden Wochen um mehr als 50 Prozent gelindert, stehen die Chancen für einen Op-Erfolg gut. Übrigens wurde die positive Wirkung der Muskelentfernung bei Migräne eher zufällig entdeckt: Von 314 Patienten, die sich aus ästethischen Gründen die Muskeln entfernen ließen, gaben 39 bei der Nachbehandlung an, vorher eine Migräne gehabt zu haben, die plötzlich weg sei.

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