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17. Oktober 2005

Neugeborenen-Ikterus rechtzeitig erkennen

Neugeborene werden immer früher aus der Geburtsklinik entlassen. Dadurch wird die Diagnose des postnatalen Ikterus in die Kinderarztpraxis verlagert.

„Fälle von Kernikterus haben sich bereits gehäuft“, warnte Prof. Dr. Michael Obladen von der Charité Berlin am Oster-Seminar-Kongress für pädiatrische Fortbildung in Brixen, Südtirol, Ende März 2005. „Die wichtigsten Aufgaben des Pädiaters sind die Erkennung oder der Ausschluss eines Morbus haemolyticus mittels direktem Coombs-Test, wobei die klassische Rhesus-Unverträglichkeit selten geworden ist. Sensibilisierungen gegen anti-A-, -B- oder Rhesusuntergruppen stehen heute im Vordergrund.“ Um eine klinisch nicht auffällige Hyperbilirubinämie zu erkennen und um die Blutentnahmen bei gesunden Neugeborenen zu reduzieren, wird das Screening mit der transkutanen Bilirubinbestimmung – Bili-Check – durchgeführt. Das Diagramm nach Bhutani erleichtert die Interpretation beim reifen Neugeborenen. „Liegt der Bili-Check vor der Entlassung aus der Geburtsklinik über der 95. Perzentile, kommt es sofort wieder zur stationären Einweisung. Eine Serumbilirubinbestimmung muss dann innerhalb von vier bis 24 Stunden erfolgen. Liegt der Wert zwischen der 75. und 95 Perzentile, sollte eine Bilibestimmung in den nächsten 24 bis 48 Stunden durchgeführt werden“, erläuterte Obladen.

Serumbestimmungen müssen in folgenden Situationen durchgeführt werden:
• Bili-Check Wert >95. Perzentile
• Bili-Check Wert >15 mg/dl
• Positiver Coombs-Test
• Gestationsalter <36.0 SSW
• Geburtsgewicht <2.500g
• Nach Fototherapie
• Verdinikterus

Obladen: „Die Fototherapie-grenze bei reifen Neugeborenen ohne Hämolyse liegt bis 48 Stunden bei einem Serum-Bilirubin von über 15 mg/dl. Zwischen 48 und 72 Stunden liegt der Grenzwert bei 18 mg/dl und ab 72 Stunden schließlich bei 20 mg/dl. Achtung: Konjugiertes Bilirubin muss ausgeschlossen werden!“

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 25/2005

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