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7. Oktober 2005

Schmerzfrei aus der Kältekammer

In Bad Zell wird seit Jahresbeginn eine Ganzkörperkältetherapie angeboten – diese wirkt sich vor allem positiv auf das Schmerzempfinden aus. Ein Effekt, der besonders bei Patienten mit rheumatischen, aber auch vielen anderen Beschwerdebildern genutzt wird.

Neben Bad Gastein ist Bad Zell der einzige Ort Österreichs, an dem es eine Radonquelle gibt. Dieses Edelgas wird zur Behandlung von rheumatischen und degenerativen Beschwerden, Erkrankungen der Atemwege sowie der Haut wie Schuppenflechte und Neurodermitits eingesetzt. Als therapeutisches Herzstück in der Kuranlage „Lebensquell Bad Zell“ wurde das „Radonarium“ ausgebaut. Darin wird unter anderem die Ganzkörperkältetherapie in der Kältekammer bei minus 110 Grad Celsius angeboten. Kälte wurde bereits in der Antike therapeutisch angewendet. Die Ganzkörperkältetherapie wurde erstmals von japanischen Ärzten vor etwa 20 Jahren eingesetzt. Seit den 80er-Jahren kommt die Therapieform auch in Europa zur Anwendung. „Die schockartige Einwirkung von minus 110 Grad hat primär Auswirkungen auf das Schmerzempfinden. Der Patient empfindet diese extremen Temperaturen aufgrund der niedrigen Raumfeuchtigkeit nicht als unangenehm“, erklärt Dr. Martin Spinka, ärztlicher Leiter von „Lebensquell Bad Zell“.

Schmerzleitung ­unterbrechen

Durch die Kälte wird die Schmerzleitung im Körper unterbrochen. Dazu Spinka: „Durch die Ganzkörperkältetherapie wird eine Blockierung der peripheren Nozizeptoren und damit eine Schmerzminderung beziehungsweise Schmerzaufhebung besonders bei rheumatischen Erkrankungen erreicht. Die Schmerzen lassen bereits nach etwa einer halben Minute Aufenthalt in der Kältekammer nach, so dass viele Patienten diese schmerzfrei verlassen. Die ansonsten stark begrenzte Beweglichkeit nimmt zu. Die zwei bis sechs Stunden dauernde Schmerzminderung wird daher zum medizinischen und physiotherapeutischen Training nach der Ganzkörperkältetherapie-Exposition genutzt und kann eine ungestörte Nachtruhe ermöglichen.“ Die Therapie kann auch bei Gelenksentzündungen und degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen zum Einsatz kommen beziehungsweise als Nachbehandlung von orthopädischen oder unfallchirurgischen Operationen. Nach zehn Besuchen in der Kältekammer tritt zudem eine Entzündungshemmung ein beziehungsweise ist etwa bei Neurodermitis oder Schuppenflechte eine deutliche Reduktion des Juckreizes feststellbar. „Positive Auswirkungen ergeben sich bei chronischen Schlafstörungen, Kopfschmerzen sowie bei depressiven Verstimmungen. Die Vitalkapazität steigt, die Verkrampfung der Bronchien nimmt ab, die Sauerstoffsättigung des Blutes wird erhöht und der Kohlendioxidgehalt sinkt. Daher nutzen auch Sportler oder Manager gerne die Kältekammer und fühlen sich nachher fit und ausgeruht“, betont Spinka.

Mit Badehose in die Kälte

Der Besuch in der Kältekammer erfordert das Tragen von Badebekleidung inklusive Mund-, Nasen- und Ohrenschutz, Handschuhen, Socken und Hausschuhen. Im minus 110 Grad kalten Therapieraum bleiben die Patienten maximal drei Minuten und bewegen sich währenddessen langsam im Raum. Die Temperatur, die Behandlungszeit und der Sauerstoffgehalt der Luft in der Kammer werden ständig kontrolliert. „Um einen sicheren Behandlungsablauf zu gewährleisten, besteht zudem permanenter Kontakt über eine Gegensprechanlage sowie ein großes Sichtfenster zu einem Therapeuten, der sich im Vorraum aufhält und den Ablauf beobachtet. Außerdem ist eine Videoüberwachung eingerichtet“, erklärt Spinka. Manche Patienten sind am Anfang in der ungewohnten Umgebung etwas unsicher, die fachgerechte Einweisung und der ständige Kontakt zum Arzt ermöglichen dem Patienten aber, sehr schnell Entspannung und Wohlgefühl zu empfinden. Für therapeutische Langzeiteffekte sind zwischen 10 und 30 Besuche in der Kältekammer empfehlenswert, wobei zwei Aufenthalte pro Tag den besten Effekt erzielen.

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