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20. Jänner 2006

Pharmakologische Wirkung von Uncaria tomentosa

Bisher bekannte, medizinisch relevante Effekte von penta- und tetrazyklischen Oxindolalkaloiden

Zahlreiche pharmakologische Untersuchungen haben umfangreiche Wirkungen von Uncaria tomentosa, vor allem auf das Immunsystem, nachgewiesen.

Stimulierung der Phagozytose

Pentazyklische Oxindolalkaloide stimulieren die phagozytotische Aktivität von Makrophagen und von Zellen des RES. Dabei wird Isopteropodin als jene Substanz bezeichnet, welche – im Vergleich zu anderen immunstimulierenden Agentien – die stärkste Aktivität besitzt. In vivo sind die Reinsubstanzen nur in Anwesenheit von Catechin aktiv.

Einfluss auf die Proliferation von Lymphozyten

Humane Endothezellen sezernieren unter dem Einfluss pentazyklischer Oxindolalkaloide aus U. tomentosa ein Protein, das regulierend in die Proliferation von Lymphozyten eingreift: dieses Protein erhöht die Vermehrungsrate ruhender oder schwach aktivierter Lymphozyten deutlich, hemmt aber die klonale Expression hoch reaktiver Lymphoblasten, die bei entzündlichen Prozessen im Rahmen von Autoimmunprozessen eine wesentliche Rolle spielen. (Alkaloide weisen aber keinen direkten Einfluss auf die Lymphozytenproliferation auf.) Das heißt, je nach Ausgangslage steigern oder vermindern die POA die Reaktivität des Immunsystems. Dieser Effekt auf die Lymphozytenproliferation wird durch tetrazyklische Oxindolalkaloide (TOA) dosisabhängig antagonisiert, weshalb bei der Beurteilung von Präparaten auf die Abwesenheit dieser Inhaltsstoffe geachtet werden muss.

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Antiinflammatorische Aktivität

Procyanidine und einige Substanzen aus der Gruppe der Chinovinsäureglykoside zeigen in Modellversuchen antiinflammatorische Aktivität. Ein Dekokt inhibierte in Makrophagen die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-kB, der für die Entstehung entzündlicher Prozesse mitverantwortlich ist.

Antiproliferative Aktivität

POA aus der Pteropodingruppe zeigten in vitro eine ausgeprägte antileukämische Wirkung, ohne dabei die Vitalität des Knochenmarkes zu beeinflussen. Ein wässriges Stammrinden-Extrakt induzierte in vitro die Apoptose humaner leukämischer Zellen.

Weitere Effekte

… sind Antioxidative Wirkung (unabhängig vom Alkaloidgehalt), Verlängerung der Lymphozyten-Überlebenszeit, antivirale Effekte. Toxikologie: Ein auf pentazyklische Oxindolalkaloide standardisiertes Extrakt und ein anderes wässriges Extrakt zeigten weder akute noch subakute Toxizität, auch mutagene Eigenschaften konnten nicht festgestellt werden.
Effekte der tetrazyklischen Oxindolalkaloide: TOA antagonisieren nicht nur die durch POA ausgelöste Regulation der Lymphozytenproliferation, sondern entfalten auch Wirkungen auf Herz und Kreislauf. Dokumentiert ist, dass sie Ca-Kanäle blockieren und zu einer Vasodilatation führen, sie senken den Blutdruck, wirken antihypertensiv und üben auf das Herz einen negativ chronotropen und inotropen Effekt aus. Diese Effekte sind bei der therapeutischen Anwendung von Uncaria tomentosa als unerwünschte Wirkungen einzustufen.

Dr. Klaus Huber, rheuma plus 1/2004

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