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20. Jänner 2006

Katzenkralle – Hilfe aus dem Regenwald

Mächtige Lianen aus Südamerika, aus deren Wurzeln ein Extrakt mit Heilwirkung gewonnen wird

Uncaria tomentosa (Willd.) DC. ist eine Arzneipflanze Mittel- und Südamerikas, deren Wurzel von den einheimischen Heilern seit langem erfolgreich bei verschiedenen Erkrankungen, darunter Infektionen, Krebs und Rheuma, eingesetzt wird. Aufgrund der eindrucksvollen Effekte dieser Pflanze und dank jahrelanger Forschungsarbeit hat der Extrakt aus der Wurzel dieser Pflanze (Volksname: Uña de gato, übersetzt „Katzenkralle“) nunmehr Einzug in die westliche Medizin gefunden, berichtete Prof. Mag.pharm. Dr. Reinhard Länger, Institut für Pharmakognosie, Universität Wien, bei einem Symposium im November.
Vertreter der Gattung Uncaria sind mächtige Lianen, deren Sprossdurchmesser bis zu 20 Zentimeter erreichen kann. In Südamerika sind zwei Arten heimisch: U. tomentosa (Willd.) DC. und U. guianensis (Aubl.) Gmel., die unter anderem anhand der Form der Dornen unterschieden werden können. U. guianensis wird allerdings in der traditionellen Medizin der Ashaninka nicht angewendet. Die Entwicklung von Arzneimitteln aus Uncaria tomentosa ist das Ergebnis langjähriger systematischer Forschung. Die Wurzel enthält bis zu zwei Prozent Indolalkaloide: es wurden sechs stereoisomere pentazyklische Oxindolalkaloide (=POA) und vier stereoisomere terazyklische Oxindolalkaloide (TOA) isoliert. Als weitere Inhaltsstoffe wurden vor allem Iridoide, Triterpene, Procyanidine und Sterole nachgewiesen. Für die Heilwirkung sind vor allem die POA verantwortlich, für die unerwünschten Nebenwirkungen hingegen vorwiegend die TOA.

Penta- und tetrazyklische Oxindolalkaloide

Die Verteilung der Alkaloide ist in einzelnen Unc. tomentosa-Individuen nicht homogen. Untersuchungen von etwa 200 Individuen aus drei Populationen in Peru zeigen, dass mehr als die Hälfte der Pflanzen einen hohen Anteil an pentazyklischen Oxindolalkaloiden mit Spuren von tetrazyklischen Beimengungen aufweisen (= pentazyklischer Chemotyp). Ein kleiner Teil der Individuen enthält ausschließlich tetrazyklische Oxindolalkaloide, etwa ein Viertel der untersuchten Pflanzen produziert beide Alkaloidtypen, wobei mengenmäßig die tetrazyklischen Alkaloide dominieren. Bemerkenswert ist, so Länger, dass die traditionellen Heiler der Ashaninka ohne jede chemisch-analytische Unterstützung ausschließlich Wurzeln des pentazyklischen Chemotyps gesammelt und verwendet haben.
Die Hauptwirkung der Extrakte des pentazyklischen Chemotyps richtet sich auf das Immunsystem (siehe nebenstehenden Beitrag). Die Stimulierung der Phagozytose ist vergleichbar mit anderen immunstimulierenden Pflanzen wie Echinacea. Zusätzlich aber wurde für die pentazyklischen Oxindolalkaloide eine regulatorische Wirkung auf die Lymphozytenproliferation nachgewiesen. Diese Komponenten können somit ein schwaches Immunsystem stimulieren (siehe Studien an HIV-Patienten) und ein überreagierendes Immunsystem (siehe Studie zu rheumatoider Arthritis) modulieren. „Somit kann Uncaria tomentosa zur Zeit als einzige Pflanze als Immunregulator bezeichnet werden“, betonte Länger.
Die Präparate müssen allerdings gewissen Qualitätsanforderungen entsprechen. So muss als Stammpflanze U. tomentosa verwendet werden. Die volkstümliche Bezeichnung Una de gato steht in Südamerika nicht nur für eine Spezies, sondern für mindestens 17 weitere Pflanzenarten aus verschiedensten Familien mit sehr unterschiedlichen Inhaltsstoffen (Gehalt an Alkaloiden: zwischen 0,02 bis 4,4mg/g mit 19 bis 100 Prozent POA). Auch die zweite Art der Gattung in Südamerika, Uncaria guianensis, unterscheidet sich deutlich in den Inhaltsstoffen, weshalb sie als Stammpflanze auszuschließen ist.
Aber auch im Material, das sicher aus der U. tomentosa stammt, muss nicht nur der Gehalt an POA bestimmt sein, sondern auch die Abwesenheit der tetrazyklischen Oxindolalkaloide geprüft worden sein. Denn diese antagonisieren die immunologischen Wirkungen der pentazyklischen Oxindolalkaloide und können außerdem zu unerwünschten kardiovaskulären Wirkungen führen. Als weiterer Punkt ist zu beachten, dass die Stammrinde leichter zu ernten ist als die Wurzel, daher häufiger als Ausgangsmaterial, vor allem für Nahrungsergänzungen dient, aber einen wesentlich geringeren Alkaloidanteil aufweist als die Wurzel.
Außerdem basieren die meisten klinischen und pharmakologischen Befunde auf Extrakten aus der Wurzel, daher dürfen die Daten zu Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nicht auf Produkte aus der Stammrinde oder generell auf „cat’s claw“-Produkte übertragen werden. Krallendorn®-Kapseln enthalten 20mg eines wässrig-sauer extrahierten Trockenextraktes aus Radix Uncariae tomentosae (pentazyklischer Chemotyp), standardisiert auf mindestens 13mg/g pentazyklische Oxindolalkaloide und maximal 0,5mg tetrazyklische Oxindolalkaloide.

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