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20. Jänner 2006

Uncaria tomentosa bei chronischer Polyarthritis

Innsbrucker Studie zeigt gute Wirksamkeit des Krallendorn®-Extraktes

Venedig. Der Extrakt von Unguenta tomentosa (volkstümlich „Katzenkralle“), der Patienten mit chronischer Polyarthritis zusätzlich zur Basistherapie verabreicht wird, kann zur Besserung der klinischen Symptomatik führen, berichtete OA Dr. Erich Mur, Rheuma-Ambulanz der Universitätsklinik Innsbruck beim 2. Alpen-Adria-Symposium der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie im November. Die chronische Polyarthritis (cP) befällt nicht nur Gelenke mit progredienter Knorpel- und Gelenkszerstörung, sondern auch verschiedene Organsysteme wie Haut, Nervensystem, Lunge, Herz und Niere. Im akuten Stadium werden als Standardtherapie Cortison und NSAR eingesetzt. Mit der sogenannten Basistherapie (vor allem Methotrexat, Sulfasalazin, Cyclosporin A) sowie modernen, gentechnologisch hergestellten Substanzen, zu denen hauptsächlich die Hemmer von Interleukin-1 und Tumornekrosefaktor zählen, wird versucht, die Progression zu mildern.

Gut für skeptische Patienten

Tatsache aber ist, dass eine steigende Zahl von Patienten mit cP skeptisch gegenüber einer konventionellen antirheumatischen Medikation ist. Mindestens 40 Prozent der rheumatologischen Patienten suchen im Lauf ihrer Erkrankung Hilfe in komplementärmedizinischen Methoden, wie Homöopathie, Ayurveda, Magnetfeldtherapie, Phytotherapie und andere. Gründe dafür können vor allem die mangelnde Besserung der Beschwerden durch orthodoxe Substanzen beziehungsweise die Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen sein. Insbesondere in Bezug auf pflanzliche Substanzen ist die Meinung verbreitet, dass sie keine relevanten Nebenwirkungen, zumindest aber eine gewisse Wirksamkeit aufweisen würden. Bedauerlicherweise fehlt aber bei einer Vielzahl der von Rheumapatienten verwendeten pflanzlichen Produkte der klinische Nachweis von Wirksamkeit und Sicherheit.
Einige Arten der Uncaria tomentosa („Katzenkralle“) werden seit langer Zeit bei den Asháninka-Indianern Perus erfolgreich (unter anderem) bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Mittlerweile hat die Uncaria tomentosa auch Einzug in die westliche Medizin gefunden und wird – in allerdings sehr unterschiedlichen Aufbereitungen – komplementärmedizinisch vertrieben.

Doppelblinde Studie

Mehrere pharmakologische Untersuchungen haben vor allem die immunmodulatorische Wirkung von Uncaria tomentosa (UT) in vitro nachgewiesen. OA Dr. Erich Mur, Rheuma-Ambulanz der Universitätsklinik Innsbruck, führte daher eine doppelblinde, randomisierte Studie durch, um Sicherheit und Wirksamkeit eines standardisierten UT-Extraktes (Krallendorn®) zu untersuchen. Dieses wird durch wässrig-saure Extraktion aus der Wurzel des pentazyklischen Typs von Uncaria tomentosa gewonnen, standardisiert auf mindestens 13mg/g der therapeutisch wirkenden pentazyklischen Oxindolalkaloide (=POA) und maximal 0,5mg/g der antagonistisch wirkenden tetrazyklischen Oxindolalkaloide (=TOA).
Aufgenommen in die zweiphasige Studie wurden 40 Patienten (über 20 Jahre alt) mit aktiver chronischer Polyarthritis und eingeschränkter Beweglichkeit (funktionelle Klasse II–III nach Steinbrocker). Alle Patienten standen seit mindestens sechs Monaten unter einer Therapie mit Sulfasalazin oder Hydroxychloroquin. Diese Medikation (in konstanter Dosis) ebenso wie die Einnahme von NSAR und Prednisolon bis zu 10mg/Tag (oder Äquivalent) wurde bei allen Patienten während des gesamten Verlaufes beibehalten. In der ersten (doppelblinden, placebokontrollierten) Phase erhielten die Patienten 24 Wochen lang entweder dreimal täglich eine Kapsel Krallendorn® oder Placebo. In der anschließenden zweiten Phase (28 Wochen) wurden dann alle Patienten mit Krallendorn® behandelt (Mur E., Hartig F., Eibl G., Schirmer M.: „Randomized Double Blind Trial of an Extract u from the Pentacyclic Alkaloid Chemotype of Uncaria tomentosa for the Treatment of Rheumatoid Arthritis.“ J. Rheumatology 29: 678–681, 2002). Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass die 24-wöchige Therapie mit Krallendorn® die Zahl der empfindlichen Gelenke deutlich stärker reduzierte als Placebo (um 53 versus 24,1 Prozent mit Placebo; p=0,044). Bei den im gesamten Studienverlauf mit dem Extrakt von UT behandelten Patienten hatte sowohl die Zahl der empfindlichen Gelenke, der Ritchie-Index, als auch die Dauer der Morgensteife bereits nach 24 Wochen und noch stärker nach 52 Wochen gegenüber den Ausgangswerten signifikant abgenommen.
Aber auch jene Patienten, die Krallendorn® nur während der zweiten Phase erhalten hatten, erfuhren eine deutliche Reduktion der Zahl der empfindlichen Gelenke (p=0,003) und des Ritchie-Index (p=0,004) sowie eine leichte Besserung der geschwollenen Gelenke im Vergleich zu den Werten nach 24 Wochen „Therapie“ mit Placebo. Verbesserungen bezüglich des Funktionsvermögens der Patienten (Health Assessment Questionnaire) oder der Entzündungszeichen im Labor gab es in keiner der Gruppen. Sehr gut waren auch die Resultate hinsichtlich Sicherheit: Es wurden nur milde Nebenwirkungen, vor allem gastrointestinal, beobachtet, ohne relevante Unterschiede zwischen Verum- und Placebo-Gruppe. „Der UT-Extrakt Krallendorn® bietet somit für Patienten mit aktiver chronischer Polyarthritis unter Basismedikation eine Behandlungsoption, die sicher ist und die Zahl der schmerzhaften Gelenke reduzieren kann“, fasste Mur die Resultate dieser Pilotstudie zusammen. Es sind allerdings noch größere klinische Studien zur Untermauerung dieser ersten Ergebnisse notwendig. Auch in der anschließenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass die Bewertung des UT-Extraktes im Vergleich zu konventionellen krankheitsmodifizierenden Substanzen (DMARDs) noch durch weitere große klinische Studien erfolgen sollte.
Derzeit kommt laut Mur der Einsatz von Krallendorn® bei Patienten mit cP vor allem als Zusatz zu konventionellen DMARDs in Frage. Dies insbesondere dann, wenn Patienten unzufrieden sind und nach einer wirksamen komplementärmedizinischen Therapie fragen oder wenn die Einnahme von konventionellen DMARDs überhaupt abgelehnt wird.

Dr. Klaus Huber, rheuma plus 1/2004

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