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20. Jänner 2006

Freizeitsport mit Sprunggelenk-Prothese

Bei Arthrose des Sprunggelenks sind moderne Endoprothesen einer Arthrodese häufig überlegen

Schwimmen, Wandern, Radfahren, Golfspielen und sogar Skifahren mit einer Sprunggelenks-Arthrose? Wird das obere Sprunggelenk nicht versteift, sondern durch ein künstliches Gelenk ersetzt, ist gelenkschonender Freizeitsport wieder möglich.
Zementfreie Implantationen und biomechanisch verbesserte Endoprothesen sind eine Alternative zur Arthrodese und ersparen den betroffenen Patienten Komplikationen wie sekundäre Arthrosen der Nachbargelenke und Infektionen. Darauf weist Dr. Viktor Valderrabano vom Fußzentrum der Orthopädischen Universitätsklinik in Basel, Schweiz, hin. Oft werde das Versteifen des Sprunggelenkes noch als Goldstandard angesehen, da mit den ersten Endoprothesen in den 70er- und 80er-Jahren meist keine guten Erfahrungen gemacht wurden. Mittlerweile gebe es aber geeignete Implantate, betont Valderrabano.
Seit Februar 1996 wurden in der Universitätsklinik Basel mehr als 300 Endoprothesen implantiert. Anfangs benutzten die Orthopäden die S.T.A.R.-Sprunggelenk-Prothese (Link® Scandinavian Total Ankle Replacement, Waldemar Link, Hamburg) und wechselten ab Mai 2002 zur anatomisch geformten Sprunggelenk-Prothese Hintegra® (Newdeal, Frankreich). Diese Prothese hat nach Aussage von Valderrabano wesentliche Vorteile: Durch die anatomische Form der Schienbein- und Sprungbein-Komponenten sowie den Gleitmechanismus des Kunststoffkerns auf der glatten Schienbeinunterfläche seien widerstandsfreie Beuge-Streck-Bewegungen möglich, die allein durch den Kapselbandapparat und die Sehnen geführt werden.
Das durchschnittliche Alter der in Basel operierten Patienten betrug 58 Jahre (22 bis 85 Jahre). Insgesamt 78 Prozent der Patienten hatten eine posttraumatische und zwölf Prozent eine primäre Arthrose, bei zehn Prozent bestand die Arthrose aufgrund systemischer Erkrankungen. 82 Prozent der Patienten sind mit dem Ergebnis der Operation zufrieden oder sehr zufrieden, alle Patienten haben signifikant weniger Schmerzen als vor der Operation und zwei Drittel sogar keine Schmerzen mehr, so Valderrabano.
Die jährlichen radiologischen Kontrolluntersuchungen zeigen bis jetzt eine feste Verankerung und ein gutes Einwachsen sämtlicher Implantate. Gelenkschonender Freizeitsport ist nach Aussage von Valderrabano nach dem Aufbau der Muskulatur möglich, Sportarten mit schnellen Stopp- und Antrittsbewegungen und auch Hochleistungssport sollten allerdings nicht betrieben werden. Kontraindiziert sei ein künstliches Sprunggelenk beispielsweise bei Diabetes, hohen Dosen von Kortison, Osteonekrose und lokalen Durchblutungsstörungen. ÄZ

 

Statisches Dehnen schadet mehr

Studien zum Dehnen vor und nach dem Sport widerlegen den vermeintlichen Nutzen

Bisher wurde angenommen, dass statisches Dehnen der Muskeln vor und nach dem Sport die Leistung steigert, die Verletzungsgefahr verringert und die Regeneration der Muskeln fördert. Das stimmt nach Aussage von Prof. Dr. Jürgen Freiwald von der Bergischen Universität in Wuppertal weder für den Hochleistungs- noch den Freizeitsport.
Viele Untersuchungen hätten inzwischen die falschen Annahmen über die Vorteile des Dehnens widerlegt, behauptet Freiwald. Durch statisches Dehnen vor Sportarten, die schnelle und maximal kräftige Leistungen verlangen, wie zum Beispiel Sprünge und Sprints, nehme die Leistung sogar um zwei bis 23 Prozent ab, berichtete der Sportmediziner. Ebenso wenig sinnvoll sei das Dehnen auch vor dem Krafttraining in einem Fitnesscenter. Sinnvoll sei dagegen ein allgemeines und spezielles Aufwärmen. Nur die Muskeln, die für die Beweglichkeit benötigt werden, zum Beispiel die Hüftbeuger bei Sportlern, die sich auf den Hochsprung vorbereiten, sollten gedehnt werden.
Vergleichsuntersuchungen mit mehreren tausend US-amerikanischen Rekruten haben ergeben, dass auch die Gefahr einer Verletzung mit dem Dehnen nicht abnehme, betonte Freiwald. Ursache von Verletzungen seien dagegen eher Ermüdungserscheinungen und Konzentrationsmangel.
Statisches Dehnen nach dem Sport verhindert nach Aussage von Freiwald zudem die schnelle Regeneration der Muskulatur. Die Begründung: Durch das Dehnen werden Blutgefäße in der Muskulatur komprimiert, und die optimale Blutversorgung wird gestört. Der Sportmediziner empfiehlt aus diesem Grund, nach intensiven sportlichen Belastungen mit viel Laktatbildung auf das Dehnen zu verzichten.

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