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29. September 2005

Hemmungslos oder goldene Türschnallen?

Dieser Tage dürften den Herrschaften des Verbandes der Privaten Krankenanstalten Österreichs – ein Verein, der sich eines eindrucksvollen Namens bedient – ein wenig die Wunschträume durchgegangen sein. In einem Brief an die Belegärzte in Wien teilt der Generalsekretär Professor Deszy diesen mit, dass der „Infrastrukturbeitrag“ von 6 auf 12 Prozent mit 1. April erhöht wird. Additiv wird auch noch eine Abgabe von 3 Prozent für die Abrechnungsüber-nahme berechnet werden. Also, satte 15 Prozent sollen die Belegärzte Wiens den privaten Häusern dafür nachwerfen, dass sie ihnen die Kunden bringen. Deszy, der sich seinerzeit als Verwaltungsdirektor des Rudolfinerhauses solche Ideen schon im Ansatz verkniffen hat, um mit seinem Haus konkurrenzfähig zu bleiben und seine „Lieferanten“ nicht zu verprellen, agiert nun als Pensionist – sorry, als Generalsekretär, hemmungslos. Vergessen sind seine Wortspenden bei gesundheitsökonomischen Diskussionen, dass der Verwaltungsaufwand gesenkt werden könne. Damals ging es wohl um den Verwaltungsaufwand der Gebietskrankenkasse von namhaften 3 Prozent!
Akkordiert mit der Ärztekammer wurde dieser Schritt natürlich nicht. Von deren Seite wird beteuert, man wurde von dem Ansinnen überrascht und erwarte eine sofortige Rücknahme dieser „Drohung“. Dies mit gutem Grund – wird doch schon seit längerem in Kammerkreisen moniert, dass den Belegärzten eigentlich eine Prämie dafür zuzuerkennen ist, dass sie sich des einen oder anderen privaten Krankenhausbetreibers bedienen. Im Kreditkartengeschäft bezeichnet man diese Vorgangsweise als Disagio. Im Übrigen drängt sich die Frage auf, was denn die Belegärzte für diesen Infrastrukturbeitrag bekommen. Es ist wohl nicht zu rechtfertigen, dass Ärzte für jene Infrastruktur zur Kasse gebeten werden, ohne die ein Spital nie funktionieren könnte. „Goldene Türschnallen“ an den Belegarzttoiletten oder „vergoldete Kleiderbügel“ in den Garderoben wurden in Wien bsiher nicht gesichtet. Der Wunsch danach wurde bislang auch nicht geäußert. Wünsche gäbe es dennoch genug, z.B. bei der Honorarabrechnung, die unglückseligerweise mit der Hausabrechnung verknüpft ist. Diese könnte flotter von statten gehen, verbesserungswürdig wäre sie allemal – wer wartet schon gerne monate-, manchmal jahrelang auf sein Honorar?

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 13/2005

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