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29. September 2005

Belegspitäler: Schulterschluss lässt warten

Die Belegspitäler in Österreich bewältigen einen beachtlichen Anteil der stationären Versorgung von Patienten. Wenngleich Bettendichte, Aufnahmezahl und Liegedauer bei uns allgemein rekordverdächtig scheinen, ergänzen die privaten Krankenhausbetreiber die öffentlichen Häuser dort, wo privat zusatzversicherte Patienten jene Leistungen auch wirklich abfragen können, die ihnen seitens der Assekuranzen teuer verkauft werden: die freie Arztwahl und die „gehobene“ Hotelkomponente.
Weil nun mal ein Hotel kein Spital ist, unterscheiden sie sich wesentlich in der Ausstattung und damit auch in den Kosten. Erst die medizinische und spezielle technische Ausstattung (Röntgen, Labor, Ops usw.) können aus einem Fünf-Sterne-Hotel ein Krankenhaus machen. Darüber hinaus darf sich ein Patient – anders als ein Hotelgast – eine ärztliche Rund-um-die-Uhr-Betreuung erwarten. Was sich so leicht schreibt und liest, ist aber schwer zu finanzieren. Anders als bei öffentlichen Häusern können die privaten nicht mit einer Abgangsdeckung seitens ihres „Bürgermeisters“ rechnen. Die Schere tut sich insbesondere da auf, weil die Finanzierung zwischen den Zahlungen seitens der Sozialversicherung (PRIKAF) und jener der privaten Krankenversicherer die Hauskosten nur unzureichend deckt. Die Verrechnungseinheit des Sondertopfes für die Privat-spitäler (PRIKAF) liegt bei ca. einem Drittel gegenüber jener der öffentlichen Spitäler. Die jüngst in Wien beschlossene Valorisierung ist nicht angetan, die nicht nachvollziehbare Differenz auszugleichen.
Besonders zum Tragen kommt diese Unter-finanzierung bei jenen Fällen, die extrem hohe Verbrauchsmaterialkosten verursachen, wie Implantate und Chemotherapien. Hier kann es schon passieren, dass Einmal-material oder Medikamente mehr kosten als die Summe der Tagsätze. Wenn es nicht gelingt, diese Finanzierungslücke zu schließen, werden die privaten Krankenversicherungen mit dem Problem konfrontiert werden, dass ihren Versicherungsnehmern nur mehr eine deutlich eingeschränkte Auswahl an Häusern zu Verfügung steht. Ob sich dann noch Prämien knapp an der Schmerzgrenze argumentieren lassen, ist abzuwarten.
Alles in allem ist dringlich der Schulterschluss zwischen Belegspitälern, privaten Krankenversicherungen und Ärzteschaft geboten. Von der Österreichischen Wirtschaftskammer als Vertreter der Beleg-spitäler sollte man auch ein deutliches Lebenszeichen erwarten dürfen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 26/2005

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