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29. September 2005

Mediziner erst einfrieren, dann ...

„Also es ist wirklich eine sagenhafte Sauerei“, hört man allseits, wenn es um den Zugang zum Medizinstudium geht. Abhängig vom jeweiligen Standpunkt, unterscheiden sich die Schuldzuweisungen. Auf jeden Fall ist aber der Europäische Gerichtshof schuld – weit weg und gut zu beschuldigen. Naja – eine Überraschung war die Entscheidung nicht wirklich. Sie ist aber so plötzlich gekommen! Zwar hatte man „Zeit“, im Frühling eine Ankündigung an die österreichischen Mittelschulen zu schicken, aber zu wenig bis keine Zeit, um ein wirksames Problem-Lösungs-Szenario zu kreieren. „Die Politiker haben nicht mit uns geredet“ und ähnlich billige Sprüche waren von Seiten der Hochschulen zu hören. Blöd gelaufen. Vom vorigen Semester viele „Übriggebliebene“, nach wie vor zu wenig Plätze, und dann noch der „Ansturm der Germanen“. Unglaublich, mit welcher Bauernschläue man dem Vorwurf begegnet, man hätte zu wenig zur „Sicherung“ der Studienplätze der ÖsterreicherInnen getan: Zusätzlich zur Vorwarnung im März bestehe nun erst die Zulassungsmöglichkeit nach Einzahlung der Studiengebühr. Der Postversand der Erlagscheine „begünstige“ ohnehin die Inländer.

Nicht genug, dass viele junge Leute bereits beim Start zum Medizinstudium auf den „Ernst des Lebens“ mit aller Rücksichtslosigkeit aufmerksam gemacht werden, wird diese Gelegenheit, sich in Szene zu setzen, gerade von jenen, denen eigentlich das Agieren und nicht das Reagieren zu dieser Thematik von „Amtswegen“ zustünde, nicht ausgelassen. So durfte man erfahren, dass der österreichische Ärztekammerpräsident ob der Situation in großer Sorge um die Ausbildung der Jungmediziner ist. Den Wiener Pro-Dekan, geübt in der Betrachtung der Dinge unter dem Mikroskop, schrecken diese Dinge nicht. Im Bedarfsfall beruft er sich auf die Hochschulautonomie, die offensichtlich alles erlaubt. Ein Gesundheitssprecher, dem besonders wichtig ist, immer wieder genannt zu werden, fürchtet für die Zukunft einen Ärztemangel. Die Gesundheitsministerin fürchtet sich naturgemäß nicht. Schade, dass man die vielen Jungmediziner, die auf einen Turnusplatz warten, oder jene, die um eine fixe Anstellung rittern, oder andere, die in der Privatpraxis auf eine frei werdende Kassenstelle harren, oder ... nicht bis zum gefälligen Bedarf einfrieren kann. Apropos „Einfrieren“: Bei ständig wechselnden Chaosszenarien, wie „zu viele“ und „zu wenige“ Ausbildungsstellen, Mediziner, Ärzte etc., sollte man vielleicht schleunigst jene in die Wüste schicken, die im gepolsterten Fauteuil sitzend mit der Zukunft unserer zukünftigen Gesundheitsversorger Jo-Jo spielen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 27/2005

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