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29. September 2005

Lauter Auftritt und leiser Abgang

Während der Paradeökonom Christian Köck in der Regel keine Gelegenheit auslässt, sich ins rechte Licht der Öffentlichkeit zu rücken, war die jüngste Mitteilung, dass er als Spitalsberater in der Steiermark den Hut nimmt, nur in Lokalblättern zu finden. Ab sofort übernimmt Köck‘s Kompagnon Heinz Ebner, der bisher schon federführend tätig war, die Projektleitung. Köck‘s „Health Care Company“ bleibt aber weiterhin mit 800.000 Euro „Mindestauftrag“ an der Futterkrippe. Die steirische Landesregierung hatte die „Company“, die unter anderem Köck und dem Bau-Tycoon Hans Haselsteiner gehört, an Bord geholt, um die explodierenden Kosten für die Spitalsfinanzierung in den Griff zu kriegen. Das war Anfang 2004. Der Gesundheitsökonom war durch markige Ansagen über ein Sparpotenzial im Spitalsbereich von 2 Milliarden Euro zwar allseits aufgefallen, hat sich aber eben nicht überall beliebt gemacht. Seine Vorschläge, Spitäler zu sperren oder zu privatisieren, kommen weder bei der Bevölkerung noch bei den Ärzten noch bei Lokalpolitikern an. Aussagen wie „zu viele Spitäler, zu viele Operationen“ allein genügen nicht. Erst der Erfolg gibt einem Recht. Bislang liest man davon wenig. Die Diskussion um die Belastung der Kasse der Wiener Gebietskrankenkasse durch die Abgänge des Hanusch-Krankenhauses veranlasste den Privatprofessor der Universität Witten in Deutschland, dem Betreiber die Privatisierung nahe zu legen. Zugleich empfahl er sich auch als derjenige, der dieses traditionelle Wiener Spital weiter betreiben wollte. Dies allerdings nur dann, so hörte man aus gut informierten Kreisen, wenn die Gebietskrankenkasse auch in Zukunft eine Ausfallshaftung trage. Themen für den „Köckonomen“, wie ihn Ärzte-Kollegen liebevoll bezeichnen, liefert er mit Vorliebe selbst. Vor Jahren hat er manchen Politikern vor oder nach dem Mund geredet, wenn es darum ging, den Selbstbehalt zu erhöhen respektive durchgreifend in Österreich einzuführen. 1.000 Euro pro Jahr und pro Patient erschienen ihm als zumutbar. Gleitsmann vom Hauptverband zog bei solchen Empfehlungen gerade noch rechtzeitig die Bremse: Zuerst sprach man sich für die Schaffung von Härtefonds aus, da ließ man dann aber doch lieber die Finger davon. Dass es jetzt um Köck ruhiger wird, ist nicht an zunehmen: Er wird weiter Themen für einen lauten Auftritt und leisen Abgang finden.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 24/2005

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