zur Navigation zum Inhalt
 
29. September 2005

Wer wird das bezahlen?

Dieser Tage berichteten österreichische Tageszeitungen einmal darüber, dass der Roll-Out der e-card gestoppt, dann wiederum, dass dieser Stopp aufgehoben wurde. Eingespannt wurden einmal mehr Meinungsforscher, deren Erhebungen ergaben, wie „glücklich“ sich alle Beteiligten schätzen. Man gibt sich mal zuversichtlich, den Zeitplan der Einführung einhalten zu können, mal kritisiert man die bremsende Euphorie der Ärzteschaft. Zur Euphorie gibt es bei näherer Betrachtung keinen Grund. Abgesehen von den technischen Problemen, die mit der Implementierung verbunden sind, bleibt ein beträchtliches finanzielles Bummerl bei den Kassenärzten hängen. Allein das Gerangel der Telefongesellschaften, die sich den Markt unter nur wenigen Anbietern teilen wollen, lässt die Größe des Geschäftes erahnen. Mit Gebühren von etwa 4 Millionen Euro pro Jahr darf gerechnet werden – zusätzlich natürlich. Von der in Aussicht gestellten Ersparnis eines bestehenden Internetanschlusses ist keine Rede mehr. Dass die Gebühren nur für die Einführungszeit paktiert sind und dann Erhöhungen unbekannten Ausmaßes mit Sicherheit ins Haus stehen, wird „vorsorglich“ verschwiegen. Der Widerstand der medizinischen Softwarehersteller ist auch verständlich. Allein die Updates anlässlich der Chipkarteneinführung dürften ihnen bis zu 8 Millionen Euro in die Kasse spülen. Blechen dürfen dies natürlich wieder die Ordinationsbe-treiber. In der Vorgangsweise sind sie nicht gerade zimperlich. So flatterten vielen Kollegen Briefe ins Haus mit der Aufforderung, das Update bis Ende April zu bestellen und zu bezahlen. Nur dann könne man eine zeitgerechte Installation zusagen. Eine starke Form, Kundennähe zu demonstrieren. Hinsichtlich der Peering-Point-Gesellschaft geben sie sich jedoch entrüstet bis wehleidig. Zu groß ist das Bedürfnis, ohne jeg-liche „Diätvorschriften“ direkt an einer vollen Futterkrippe zu sitzen.
Nur auf den ersten Blick ist verwunderlich, dass angesichts der vielen Unwegsamkeiten die Österreichische Ärztekammer den Roll-Out ziemlich heftig betreibt. Auf den zweiten Blick kann man eine 50-Prozent-Beteiligung an der Peering-Point-Gesellschaft erkennen, die nichts Gutes ahnen lässt. Warum wird diese „Monopolstellung“ nicht schon in der Einführungsphase für zweckmäßige Hilfestellung genützt? Wie wäre es etwa mit einem einheitlichen Ordinationsbetriebssystem, das inklusive aller notwendigen Updates seitens der Sozialversicherung den Ärzten auf Wunsch kostenlos zu Verfügung gestellt wird? Es ergibt ohnehin keinen Sinn, wenn über 20 Softwarehersteller das Rad immer wieder neu zu erfinden suchen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 18/2005

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben