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29. September 2005

Primarärztekurie – Anlauf zum Eigentor

„Die Primarärzte Österreichs sind nicht bereit, ihre ureigenste Verantwortung dem Hochmut von Ökonomen und Theoretikern, die ein Spital noch kaum von innen gesehen haben, auszuliefern“, so der Präsident des Primarärzteverbandes und Ex-Gesundheits-Staatssekretär Prof. Dr. Reinhart Waneck.„Eine eigene Kurie der Primarärzte und Universitätsprofessoren würde zu einer längst überfälligen Einbindung der Medizinuni-versitäten in die Standespolitik führen und darüber hinaus das demokratiepolitisch ungünstige Übergewicht des spitalsärztlichen Mittelbaus reduzieren“, so der Primarärztevertreter der Österreichischen und Wiener Ärztekammer, Doz. Dr. Robert Hawliczek. Beide sind führende Mitglieder des Vereins der Primarärzte. Beides natürlich vortreffliche Gründe, sich in Szene zu setzen und anlässlich der nächsten Novellierung des Ärztegesetzes eine neue zusätzliche Kurie zu fordern: die der Primarärzte und Universitätsprofessoren. Man sollte als einfaches Kammermitglied annehmen können, dass die aktuelle Struktur der Standesvertretung schon kompliziert genug ist und die bereits existierenden „Schrebergärten“ genug Spielwiesen bieten, ein konstruktives Zusammenspiel zu hemmen. Nicht dass die Akteure ihre Möglichkeiten innerhalb der bestehenden Strukturen zu nützen verstanden, nicht dass sie um die Problematik der Atomisierung bei der Umsetzung ihrer Ideen Bescheid wissen – sie wollen ihr Spiel spielen. Dass diese Idee dem längstdienenden freiheitlichen Staatssekretär just dann einfiel, als er wieder etwas mehr Zeit hatte, wundert doch, hätte er doch schon manche Änderung in seiner Ex-Funktion initiieren und umsetzen können. Natürlich ist es ihm unbenommen, in Zukunft wieder ein bisschen in der Standespolitik aktiv zu werden. Als Mandatar der Wirtschaftskammer in der Fachgruppe private Krankenanstalten hat er schon wieder einen Fuß hineingesetzt. Der zweite Fuß kann dann, wie schon mal, in die Wiener Ärztekammer folgen. Präsident des Primarärzteverbandes zu sein, kann da nicht schaden. Nur nützen wird es leider auch nichts. Das Ansinnen, die Ärzteschaft von der Okkupationspolitik der Gesundheitsökonomen etwas frei zu spielen, wird dank der fortschreitenden Zersplitterung in der Standespolitik der Ärzte gerade den Gegnern in die Hände spielen. Alles in allem ein Anlauf zum Eigentor. Bitte: Schlusspfiff!

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 16/2005

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