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29. September 2005

Warten auf ein Wunder

Das British Medical Journal berichtete dieser Tage über eine Studie des King`s College Hospital, die Depressionen und Angstzustände als wesentliche Auslöser für die Arbeitsunfähigkeit von Angestellten entlarvte. Diese Krankheitsbilder greifen auch auf die körperliche Verfassung der Betroffenen über und verursachen Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen. Dadurch wird von den Arbeitnehmern viel Krankenstand in Anspruch genommen, was in Großbritannien jährlich Kosten von satten 19 Milliarden Euro verursacht. 35 Prozent der Arbeitnehmer nehmen Gelder für ihre Arbeitsunfähigkeit aus diesen Störungen in Anspruch. Weitere 22 Prozent machen Ansprüche auf Grund körperlicher Beeinträchtigungen geltend. Zeitgleich wurde in Deutschland die „Levi-tra-Studie“ präsentiert. Sie attestiert 45% der Männer in Deutschland und 39% inÖsterreich Potenzprobleme. Diese wirken sich auf die Arbeitskraft aus oder kosten oft den Job. Stress im Job, Existenzängste und mangelnde Zukunftsperspektiven sind die Lustkiller bei Männern. Privater Frust lähmt die Arbeitsproduktivität, und der berufliche Leistungsdruck schleicht sich ins Privatleben. Ein Teufelskreis, dem mittlerweile jeder dritte Mann zum Opfer fällt. Die Folgen: Schlechte Arbeitsleistung, Konzentrationsprobleme und Frust sorgen in Deutschland für einen volkswirtschaftlichen Schaden von 65,3 Milliarden Euro. Für Österreich wird eine Summe von immerhin 9,7 Milliarden Euro angegeben. Allein diese zwei Bei-spiele belegen, dass seelische Probleme stark ins Geld gehen. Trotz dieser Problematik gibt es seitens der Regierung nur ein geringes Bewusstsein für die wirtschaftliche Brisanz dieses Problems.

Eine einfache Lösung wäre eine bessere Vorsorge. Mittels psychologischer/medizinischer Betreuung könnten schon früh die Anzeichen von Stress und Depressionen erkannt und behoben werden. In Zeiten des Sparstiftes wird aber ärztliche Zuwendung nur unzulänglich honoriert. Folge sind immer höhere Ansprüche an die Re-paraturmedizin, bei immer magereren Ressourcen. Wenn dann die Produktivität weiter abnimmt und die Sozialausgaben explodieren, wird die anstehende Reform der Finanzierung unseres Gesundheitssystems eines Wunders bedürfen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 15/2005

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