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29. September 2005

Aus Alt mach Neu

Das Warten ist vorbei: Die neue Geschäftsführung des Hauptverbandes wurde bestellt. Kandlhofer, Probst, Hartinger und Schörghofer wurden als Generaldirektoren – so der neue Funktionstitel – (wieder) bestellt. Eigentlich keine Überraschung. Zwar wurden zuvor in einem wie im anderen Fall Ablösegerüchte laut. Diese bewahrheiteten sich nicht und waren wohl eher Wunschgedanken.
Beate Hartinger – auf einem FPÖ-Mandat – hatte sich bei den angestellten Ärzten mit der Behauptung von gesteuerten OP-Zahlen besonders beliebt gemacht. In Anbetracht der noch existierenden, wenn auch etwas angeschlagenen Koalition mit den Freiheitlichen war allerdings eine Weiterbestellung nie wirklich fraglich. Josef Probst (SPÖ) zu luxieren, hätte in Anbetracht des angesagten Schmeichelkurses in der Trägerkonferenz nicht wirklich Sinn gemacht, zumal Probst selbst bei der Pharmabranche als Fachmann hohen Respekt, wenn auch geringe Beliebtheit genießt. Das Problem wurde einfach gelöst: Die Zuständigkeitsbereiche der beiden wurden getauscht. Die Zukunft wird rasch zeigen, ob etwaige Glücksgefühle anlässlich der Umstellung lange anhalten. Das e-Card-Duo Kandl- und Schörghofer zu tauschen, macht in Anbetracht der schon bestehenden Sorgen keinen Sinn. Nach jahrelangen Verzögerungen, Neuausschreibungen, Ausgaben in Millionenhöhe geben sich die beiden trotz erheblicher Widerstände seitens der Ärzteschaft zuversichtlich. Kandlhofer kann so leicht nichts aus der Fassung bringen. Weder die Abgänge der Krankenkassen in Millionenhöhe noch der Kurienbeschluss in der Österreichischen Ärztekammer, den bundesweiten Roll-Out der e-Card bis zur Klärung offener Fragen zu stoppen, lassen Sorgenfalten bei ihm erkennen. Ob er seine Stirn ob der Reduktion seiner Jahresgage um 20.000 Euro in Falten zog, wurde nicht beobachtet.
Schörghofer – e-Card-Frontmann – wird sich allerlei einfallen lassen müssen. Dämmert es doch allmählich den betroffenen Kassenärzten, dass sie die eigentlich Gelackmeierten sind: Bei ihnen bleibt die Arbeit und der materielle Aufwand der „Chaos-Card“ hängen. Überraschend ist lediglich, dass die Standesvertretung der Betroffenen versucht, die Notbremse zu ziehen. Man sollte es eigentlich nicht verschreien: Es wäre nicht das erste Mal, dass so eine Aktion wie das „Hornberger Schiessen“ ausgeht.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 14/2005

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