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29. September 2005

Schluss mit lustig!

Also angefangen hat es damit, dass die Niederösterreichische Gebietskranken-kasse via Medien kund tat, man werde mangels ausreichender finanzieller Mittel die Arzthonorare beschneiden müssen. Ärztekammer-Präsident Fiedler drückte umgehend sein Befremden darüber aus, dass in einer bis dato partnerschaftlichen Beziehung man via ORF von dem dreisten Ansinnen erfahren durfte. Nicht nur in Niederösterreich haben die Kassenärzte im letzten Jahrzehnt deftige Honorareinbußen hinnehmen müssen, die lediglich durch diskret anwachsende Honorarsummen infolge Mehrleistung kaschiert wurden. „Mehr Arbeit für gleich viel Geld“ war die Devise der jüngsten Vergangenheit. Die neue Devise der Kassen scheint zu lauten: „Mehr bürokratische Schikanen, noch mehr Arbeit für weniger Honorar.“ Dieses Vorgehen scheint nicht ganz zufällig zu sein: Für Tirol wird ein beachtlicher Abgang prognostiziert und in Wien spricht man immer wieder von der Möglichkeit der Zahlungsunfähigkeit.
Unter dem immensen Druck der Basis, hervorgerufen durch das Chaos um Chefarztpflicht und e-Card-Einführung, werden die Reaktionen der Standespolitiker zunehmend heftiger. Selbst Brettenthaler verlässt den Kuschelkurs und übt scharfe Kritik. Plötzlich gelangt Schmierseife auf die Schienen des e-Card-Express. Der Wiener Ärztepräsident legte wortgewaltig ein Schäuferl Richtung Hauptverbandsverantwortlichen Schörghofer nach: Wenn die Installation der Hardware und des Internetanschlusses zu einem Spießrutenlauf mit unzumutbarem finanziellen Aufwand mutiere, werde sich in Wiens Ordinationen kein Platz finden, wo die e-Card hineinzustecken ist. Die im Bauch wachsende Wut der betroffenen Kassenärzte scheint mehr als berechtigt. Während viel Zeit sinnlos mit Problemen chefärztlicher Bewilligungen vergeudet und seitens des Hauptverbandes unzureichender Support geleistet wird, wird die „gute“ Laune durch drängende Briefe der Softwareanbieter weiter geschürt. Und dass nur zwei Telefonbetreiber „im Boot sind“ und man eine Konkurrenz nicht merkt, ärgert Kollegen von Wien bis Vorarlberg. Bei näherer Betrachtung dürfte sich auch der freie Zugang zum Internet – als Zuckerl angeboten – in Rauch auflösen. Der ADSL-Anschluss im Rahmen der e-Card dürfte nur für die direkte Verbindung mit dem Hauptverband geöffnet sein. Das hieße dann: Jede moderne Ordi-nation braucht zwei Anschlüsse! Alles in allem betrachtet wird die Grenze zum Unerträglichen bald erreicht sein. Dann ist Schluss mit lustig. Auf heftiges Zurückrudern der Standesvertreter darf gewartet werden.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 12/2005

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