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29. September 2005

It's e-Card Time!

Über Kassenärzte und Patienten brach mit Jahresbeginn eine neue Chefarztpflichtrege­lung herein, die wahrlich kein „Lercherl“ war. Chaos pur war angesagt. Informationen für die Betroffenen gab es teilweise zuerst aus den Medien und dann erst von Vertrags­partnern und Standes-vertretung. Um die Sache zu erleichtern, waren diese auch wider­sprüchlich.„Fax ja“ – „Fax nein.“ Ein Jahr lang war es nicht möglich gewesen, seitens der Verantwortlichen eine vernünftige Umsetzung zu vereinbaren und zu kommunizie­ren. Dann war natürlich dringend ein großes Palaver auf höchster Ebene angesagt. Er­gebnis: Das mehrseitige Formular ist nicht mehr notwendig, Strafmaßnahmen wurden zumindest für die Anlaufzeit ausgesetzt. Zurückgeblieben sind dennoch Unsicherheit, mangelhafte Richtlinien und fehlende brauchbare Arbeitsunterlagen. Die e-Card mit dem „elektronischen Praxenzeitalter“ be­findet sich am Beginn des Rollouts. Man darf gespannt sein, welche Überraschungen ei­nem da noch ins Haus stehen, zum Beispiel das e-Rezept! Zwar ist nur ein Terminal als Lesegerät geplant – doch wie soll das ohne Computer gehen?

Daher, meine Herrschaf­ten, wenden sie sich vertrauensvoll an eine der zahlreichen, prosperierenden Arztsoft­ware-Häuser. Schnell ist man zur Hand, Ihnen das entsprechende Equipment samt Soft­ware zu verkaufen oder ihre alte Ausrüstung up zu daten. Zu guter Letzt bekommen Sie noch den obli-gaten Servicevertrag in ihre Betriebskosten gedrückt. Bei den laufenden Änderungen, die Politik, Hauptverband, Standesvertretung, Pharmawirtschaft usw. indu­zieren, ein nicht enden wollendes Geschäft. Nicht etwa, dass man hoffen darf, dieser Mehraufwand werde den Ärzten abgegolten, wird schon der nächste Anschlag geplant. Hinter dem Begriff „Peering Point“ lauert eine vor kurzem der Öffentlichkeit vorgestellte Kooperation zwischen Hauptverband und Österreichischer Ärztekammer. Konkrete Ziele wurden noch nicht kundgetan, vertragliche Vereinbarungen werden geheim gehalten – und doch sickerte eine Budgetzahl durch: Fünf Millionen Euro! Man darf gespannt sein, wer das finanzieren darf. An sinnvollen Support wird offensichtlich nicht wirklich gedacht. Weiter dürfen die Kassenärzte auf ein entsprechendes Heilmittelverzeichnis mit Hinweis auf die „Boxerlzugehörigkeit“ bis Juni warten; da ist sowieso schon das nächste geplant. Die Praxen gratis mit entsprechender Software auszustatten, ist nicht vorgesehen. Vielleicht will man sich die Geschäftsfelder der „Peering-Point-Gesellschaft“ nicht allzu sehr einengen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 4/2005

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