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9. Dezember 2005

Die Geschmäcker sind verschieden

In der Ernährungsberatung, bei Gewichtsreduktion und Essstörungen existiert eine große Vielfalt von geschlechtsspezifischen Charakteristika, die Beachtung finden sollte. Eine der Hauptaufgaben wird weiterhin die Ernährungsaufklärung und Erhöhung der Sensibilität für Ernährungsfragen sein. Das Interesse daran ist bei Frauen aufrecht zu erhalten und bei Männern verstärkt zu wecken.

Frauen sind sensibler für Ernährungsfragen, haben ein besseres Wissen über Nahrung und bewussteres Ernährungsverhalten als Männer. Frauen haben aber auch andere Idealvorstellungen ihr Körperbild betreffend und greifen deshalb öfter zu Mitteln der Gewichtskontrolle und -reduktion. Ziel der Ernährungsberatung ist es, Aufklärung zu betreiben, Ernährungsbewusstsein zu wecken und erhöhte Sensibilität für Ernährungsfragen zu erzielen. Es sollen Handlungsalternativen aufgezeigt werden, damit das Risikoverhalten dauerhaft verändert werden kann. Was das Ernährungsverhalten betrifft, so finden sich sowohl genetische als auch umweltbedingte, erworbene Aspekte um Einstellung und Wissen zum Essen. Bei der Bedeutung des Essens besteht kaum ein Unterschied zwischen den Geschlechtern, erst im Jugendalter zeichnen sich Tendenzen ab. Mehr Frauen als Männer ernähren sich nun kalorienbewusster, allgemein gesünder und konsumieren mehr Gemüse und Obst als Fleisch. Die am wenigsten zufrieden stellende Ernährungsweise ist bei älteren allein stehenden Männern zu finden. Das Naschverhalten wieder-um ist relativ geschlechtsneutral. Die größte Herausforderung stellt für Frauen das Verlangen nach Süßem dar, was in Form zusätzlich fetter Snacks befriedigt wird. Für Männer hingegen ist Alkohol ein dominantes Thema. Kohlenhydrate fördern über erhöhte Insulin- und Tryptophanspiegel die Serotonin-ausschüttung und beeinflussen so die Stimmungslage positiv.

Adipositas nimmt zu

Die höchste Prävalenz für Fettleibigkeit findet sich bei beiden Geschlechtern zwischen dem 45. und 64. Lebensjahr. Laut Statistik Austria sind jeweils 9,1 Prozent der österreichischen Frauen und Männer adipös. Ein Großteil der Frauen weist eine gynoide Fettverteilung auf, die durch Fettansammlungen hauptsächlich an Hüften und Gesäß gekennzeichnet ist. Im Gegensatz dazu entwickeln übergewichtige Männer meist eine androide Fettansammlung im Bauchbereich. Über Bestimmung des Taillenumfanges kann eine Risikoabschätzung über Folge- und Begleiterkrankungen vorgenommen werden (siehe Kasten). Der Body Mass Index und der Taillenumfang sollten heute schon alleine wegen der Einfachheit der Ermittlung als Maß zur Risikoabschätzung und zur Verlaufskontrolle der Therapie ermittelt werden.

Gewichtsmanagement

Die am häufigsten angewandte Methode der Gewichtskontrolle ist Wiegen, körperliche Aktivität und Diät halten. Doppelt so viele Frauen wie Männer halten regelmäßig beziehungsweise fast immer Diät. Therapieziel ist neben der Reduktion des Körperfettes langfristige Erhaltung der fettfreien Masse. Dazu eignen sich besonders Methoden der Verhaltensmodifikation, die auch den prozesshaften Verlauf dieser Ernährungsveränderung mitberücksichtigen. Die Gewichtsreduktion bringt eine Entlastung des kardiovaskulären Systems. Bei Frauen mit einer intentionalen Gewichtsabnahme kann eine Reduktion der Gesamtmortalität um 20 %, der diabetesassoziierten Mortalität um 30 bis 40 % und der Tumormortalität um 40 bis 50 % erzielt werden. Die WHO räumt bereits heute der Adipositastherapie höchste Priorität ein.

Zusammengefasst aus:
anita rieder, brigitte lohff (hrsg)
gender medizin
geschlechtsspezifische aspekte
für die klinische praxis
Springer Wien New York, 2004

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