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17. August 2005

Editorial

Laut Definition ist die Osteoporose „eine mit Knochenmasseverlust einhergehende Skeletterkrankung, die durch eine niedrige Knochenmasse und eine Störung der Mikroarchitektur des Knochengewebes und daraus resultierend erhöhte Knochenbrüchigkeit und steigendes Frakturrisiko charakterisiert ist“.
Diese Definition (Hongkong 1993) klingt sehr nüchtern. Die Osteoporose hat sich aber in der Zwischenzeit in Europa und auch in Österreich zu einer Volkskrankheit ausgeweitet und die WHO zählt sie zu den zehn häufigsten Erkrankungen weltweit. Durch die prognos-tizierten Veränderungen der Altersstruktur ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen.
Neben Frakturen und den daraus resultierenden anatomischen Veränderungen mit Abnahme der Körpergröße, Entwicklung von Rundrücken, Kugelbauch, Rumpfverkürzung und Fehlstellungen steht für den Patienten mit klinisch manifester Osteoporose der Schmerz im Vordergrund. Bei frischen Wirbelkörperfrakturen tritt der akute Periostschmerz (lokalisiert und reproduzierbar) auf. Daraus sind die weiteren Schmerztypen, die ebenfalls Folge der anatomischen Veränderungen im Achsenskelett sind, nachfolgend. Sie müssen im Hinblick auf das weitere therapeutische Vorgehen differenzialdiagnostisch erfasst werden.
Radikuläre und pseudoradikuläre Schmerzsyndrome treten im Hinblick auf die Reduktion der Wirbelkörperhöhe auf. Die Frakturen an den Extremitäten, besonders Hüft- und Unterarmfrakturen, verursachen sekundäre Belastungssyndrome am Schulter- und Beckengürtel sowie an den Beinen. Angesichts dieser vielfältigen Symptomenkomplexe ist die Osteoporose dem rheumatischen Formenkreis zuzurechnen.
Nach den lange zögerlichen therapeutischen Entwicklungen aus internistischer Sicht konnte im letzten Jahrzehnt durch neue Therapieoptionen, wie SERM und Bisphosphonate, das therapeutische Fenster weiter geöffnet werden. Und die Entwicklung weiterer neuer therapeutischer Optionen wird stetig vorangetrieben. Ebenso weiten sich die diagnostischen Möglichkeiten aus, und die Tendenz zur Früherkennung ist bei dieser Krankheitsform genauso erkennbar wie derzeit bei anderen rheumatischen Krankheitsbildern.
Für den praktisch tätigen Arzt ist es daher sehr wichtig, den Themenkreis Osteoporose übersichtlich und kompetent zusammengefasst vorliegen zu haben. Dazu konnten wir für dieses Heft namhafte Experten aus ganz Österreich gewinnen. Ich hoffe daher, dass diese Ausgabe Ihre Zustimmung findet und hilfreiche Anregungen für die tägliche Praxis beinhaltet.

 

Prim. Doz. Dr. Attila Dunky
Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR)
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