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17. August 2005

Konsensus-Statement über Bisphosphonate

Eine gesicherte Therapieoption bei postmenopausaler sowie glukokortikoidinduzierter Osteoporose und der Osteoporose des Mannes.
Von Prim. Prof. Dr. Hans Bröll, Wien*

Derzeit stehen in Österreich drei peroral verabreichbare Bisphosphonate (Alendronat, Etidronat und Risedronat) zur Osteoporosetherapie zur Verfügung. Für Alendronat und Risedronat ist eine einmal tägliche Dosierung zugelassen. Darüber hinaus steht eine einmal wöchentliche Dosierungsform für diese Präparate zur Verfügung. Etidronat stellt die älteste in Österreich zugelassene Bisphosphonatmedikation zur Therapie der Osteoporose dar. Die antiresorptive Potenz ist gegenüber den anderen zur Verfügung stehenden Bisphosphonaten relativ gering. Dies impliziert eine hohe Tagesdosis von 400 mg peroral. Zur Verhinderung von Mineralisationsstörungen, die im Rahmen der Langzeittherapie auftreten können, ist nur die zyklische intermittierende Gabe (alle drei Monate über jeweils zwei Wochen) gestattet. Der Einsatz von Etidronat ist durch die Weiterentwicklung der Bisphosphonatbehandlung deutlich in den Hintergrund gerückt. Alendronat und Risedronat senken den Knochenumbau, erhöhen die Knochendichte in allen Skelettregionen und reduzieren bei kontinuierlicher Therapie die Häufigkeit vertebraler und nicht vertebraler Frakturen. Für beide Substanzen wurde eine Reduktion der Hüftfrakturinzidenz nachgewiesen. Effekte auf vertebrale Frakturen konnten zum Beispiel unter Risedronat bereits nach einem halben Jahr demonstriert werden.

Langzeitergebnisse zu Sicherheit und Verträglichkeit

Die Langzeitergebnisse zur Sicherheit und Verträglichkeit beziehen sich für Risedronat auf sieben Jahre, für Alendronat auf zehn Jahre. Wichtig ist, dass die Einnahmevorschriften exakt zu beachten sind, um die Resorption wirksamer Mengen sicherzustellen, da die Resorptionsrate äußerst gering ist, nämlich unter ein Prozent. Bei gleichzeitiger Nahrungszufuhr wird die Bioverfügbarkeit deutlich reduziert. Weiters können unerwünschte oesophagogastrale Reizzustände (bis zur Ulkusbildung) entstehen. Da die Einnahmevorschriften von vielen Patienten als belastet empfunden werden, wurde für Alendronat und Risedronat auch eine orale Verabreichungsform entwickelt (Alendronat 70 mg, Risedronat 35 mg), die eine einmal wöchentliche Dosierung erlaubt. Untersuchungen ergaben, dass die gastrointestinale Problematik durch eine einmal wöchentliche Dosierung deutlich in den Hintergrund gerückt ist. Da durch eine kontinuierliche antiresorptive Therapie eine Qualitätsverminderung des knöchernen Gewebes theoretisch vorstellbar ist, wurden Langzeitstudien durchgeführt, wobei bei Alendronat eine Dauer von zehn Jahren und bei Risedronat Erfahrungen bis zu sieben Jahren publiziert sind. Die Ergebnisse weisen derzeit nicht in Richtung einer erhöhten Frakturinzidenz hin. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass nach langer Therapiedauer nach wie vor eine Knochendichtezunahme objektivierbar ist.

Parenteral applizierbare Bisphosphonate

Im Hinblick auf die unerwünschten gastrointestinalen Wirkungen der oralen Bisphosphonate werden derzeit parenteral applizierbare Bisphosphonate klinisch geprüft. Für Zoledronat und Ibandronat liegen Daten für eine signifikante Zunahme der Knochendichte vor, entscheidend für den Einsatz dieser Substanzen ist die Abnahme der Frakturinzidenz. Die entsprechenden klinischen Untersuchungen sind derzeit im Laufen und relativ weit fortgeschritten, sodass mit den Ergebnissen in absehbarer Zeit zu rechnen ist. Eine Bisphosphonatbehandlung ist stets mit einer Basistherapie mit Calcium (500 bis 1000 mg/Tag und Vitamin D 400 bis 1000 IE/Tag) zu kombinieren. Das von der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochen- und Mineralstoffwechsels (ÖGEKM) und der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (OGR) publizierte Konsensus-Statement stellt klar, dass Bisphosphonate sowohl bei der postmenopausalen Osteoporose, als auch bei der glukokortikoidinduzierten Osteoporose und der Osteoporose des Mannes eine gesicherte Therapieoption darstellen.

Chemotherapieinduzierte Osteoporose

Eine neue in letzter Zeit bekannt gewordene Form der sekundären Osteoporose ist die chemotherapieinduzierte Osteoporose. Da es durch verfeinerte Therapieschema immer häufiger gelingt, Patienten mit malignen Erkrankungen infolge der Chemotherapie zu heilen, kommt es häufig zu einer relativ hohen Knochenresorption, die zu einer klinisch manifesten Osteoporose (mit Frakturen) führen kann. Hier stellen die Bisphosphonate ebenfalls eine mögliche Therapieoption dar.

 

Kontakt: *Prim. Prof. Dr. Hans Bröll, 2. Medizinische Abteilung mit Rheumatologie und Osteologie, Kaiser-Franz-Josef-Spital der Stadt Wien

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