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osteoporose 19. Jänner 2006

Körperliches Training kann Osteoporose beeinflussen

Aktuelle Studien belegen die präventive und therapeutische Wirkung eines ausgewogenen Bewegungsprogrammes.
Von OA Dr. Edmund Cauza, Wien*

In der heutigen Zivilisationsgesellschaft ist die Osteoporose eine weit verbreitete Krankheit. Vor einigen Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation die Osteoporose in die Gruppe der zehn sozioökonomisch wichtigsten chronischen Erkrankungen eingereiht. Neben einer Vielzahl an medikamentösen Therapieansätzen nimmt Training sowohl in der Prävention als auch in der Therapie der bereits manifesten Osteoporose einen wichtigen Stellenwert ein.

Kombination verschiedener Trainingsformen

Das American College of Sport Medicine hat allgemeine Empfehlungen hinsichtlich sportlicher Aktivität zur Prävention von Osteoporose erstellt. Besonders wird darauf hingewiesen, dass Patienten unabhängig vom individuellen Osteoporoserisiko ein breit gefächertes Trainingsprogramm empfohlen werden sollte. Einen hohen Stellenwert nehmen dabei Muskelkrafttraining, Ausdauertraining und Flexibilitätsübungen ein. Am effektivsten dürfte sich eine Kombination aus allen drei Trainingsformen erweisen. Zwischen folgenden wissenschaftlich belegten Empfehlungen hinsichtlich eines Osteoporosetrainings kann unterschieden werden:

  1. Osteoporose-Prophylaxe (ohne manifeste Erkrankung),
  2. Klinische manifeste Osteoporose,
  3. Frauen im Leistungs- oder Breitensport mit Menstruationsstörungen beziehungsweise gestörtem Essverhalten.

Osteoporose-Prophylaxe

Die Fitness Osteoporosis Prevention Study (EFOPS) zeigt, wie ein intensives Sport-Programm den Abfall der Knochendichte (KD) verhindern kann. Die Ergebnisse dieser Langzeitstudie wurden nach einer Studiendauer von 26 Monaten kürzlich publiziert. An der offen kontrollierten Studie nahmen mehr als 80 Frauen in der frühen Postmenopause teil, die eine zu geringe Knochendichte, aber noch keine Osteoporose hatten. Davon absolvierten 50 Frauen ein Trainingsprogramm (Ausdauer- und Krafttraining), das pro Woche zwei Trainingseinheiten von 60 bis 70 Minuten unter Aufsicht vorsah. Zusätzlich wurden die Frauen angehalten, zweimal pro Woche zuhause ein 20-minütiges Training mit isometrischen Übungen und Seilspringen zu absolvieren. Die Vergleichsgruppe bildeten 33 Frauen, denen kein Fitnessprogramm angeboten wurde. Die Teilnehmerinnen beider Gruppen erhielten Kalzium und Vitamin D. Nach 26 Monaten war die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule bei den sportlich aktiven Frauen im Mittel um 0,7 Prozent gestiegen, in der Kontrollgruppe hingegen um 2,3 Prozent gesunken. An der Hüfte war es ähnlich. Dass vor allem Krafttraining bei weiblichen Sportlerinnen ohne bestehende Osteoporose eine Zunahme der Knochendichte (KD) bewirkt, wurde im letzten Jahrzehnt in mehreren Studien belegt. Dieser positive Effekt wurde nun auch bei Männern in einigen Studien nachgewiesen. Bei 40 männlichen Elite-Wintersportlern (Schifahrer, Biathleten, Snowboarder und „Freestyle“-Schifahrer) zeigte sich eine größere KD im Vergleich zu einer nicht trainierenden Kontrollgruppe. Außerdem zeigten jene Sportler, die vor allem Krafttraining betrieben, eine signifikante Zunahme der Knochendichte in der Lendenwirbelsäule (LWS), in der Hüfte und im Schenkelhals (SH) gegenüber jenen Athleten, die vor allem Ausdauertraining durchführten. In einer anderen prospektiven Studie bei 50 bis 70 Jahre alten postmenopausalen Frauen konnte nach Absolvierung eines Krafttrainings nicht nur die KD an SH und LWS erhöht werden, sondern auch eine Zunahme der Muskelkraft erreicht werden. Beide Faktoren stellen zusammen einen wesentlichen Bestandteil in der Reduktion der Sturzneigung dar. Ähnliche Ergebnisse zeigten drei Studien bei postmenopausalen Frauen, die ein Krafttraining mit reduzierter Intensität durchführten. Alle drei Studien ergaben entweder ein Gleichbleiben oder eine Verbesserung der KD (4 bis 6).

Klinisch manifeste Osteoporose

Das niederländische Rapid-Programm (Rheumatoide Arthritis Patienten im Training Programm) von de Jong konnte erst kürzlich bei Patienten mit rheumatoider Arthritis zeigen, dass ein intensiviertes kombiniertes Kraft-/Ausdauertraining mindestens zweimal pro Woche von zwei Jahren Dauer einen signifikant positiven Effekt auf eine Reduktion des Knochendichteabbaues in der Hüfte bewirkt. Die Patienten waren bei Studienbeginn zum Teil osteopenisch beziehungsweise hatten einen T-Score unter 2,5.Dass Krafttraining auch effektiv gegen Glukokortikoid-induzierten Knochenverlust bei herztransplantierten Patienten wirkt, konnte Braith nachweisen. In dieser prospektiven, randomisierten Studie nahmen acht männliche Transplantierte an einem Krafttrainingsprogramm für sechs Monate teil, acht Implantatempfänger in der Kontrollgruppe absolvierten kein Training. Bei den Patienten der Kontrollgruppe nahm der Knochenverlust zu, in der Trainingsgruppe kam es im Vergleich zu den präoperativen Werten nahezu zu einem Stillstand des KD-Abbaus im LWS- und SH-Bereich. Diese Resultate lassen vermuten, dass Krafttraining einem sekundären Knochenverlust entgegenwirken kann. Es erscheint daher von Wichtigkeit, in der Menopause, wenn die Konzentration der Geschlechtshormone abnimmt, dem in dieser Lebensphase häufig beschleunigten Knochenmasseverlust entgegenzuwirken. Eine Reduktion der Verlustrate beziehungsweise das Konstanthalten oder sogar eine Verbesserung der KD steht zu diesem Zeitpunkt im Vordergrund. Auch bei Vorliegen von osteoporotischen Frakturen ist regelmäßiges körperliches Training (das dem individuellen Krankheitsbild angepasst werden muss) ein wichtiger Bestandteil der Osteoporosebehandlung. Hier stehen vor allem Trainingsprogramme im Vordergrund, die durch Verbesserung der Motorik und Halte-Muskulatur einen Schutz vor weiteren Frakturen (Reduzierung des Sturzrisikos) und längerfristig auch eine Reduzierung der Schmerzen beabsichtigen.

Frauen im Sport mit Menstruationsstörungen oder gestörtem Essverhalten

Welches Training/welche Aktivitäten können sich negativ auf den Knochenstoffwechsel auswirken? Jüngere Frauen sind besonders gefährdet, wenn sie übertriebenes Ausdauertraining, wie zum Beispiel Joggen oder Aerobic, in Verbindung mit kalorienarmer Ernährung zur Gewichtskontrolle einsetzen. Dadurch kann es zu einem Mangel an Sexualhormonen kommen, der den Knochenbau beeinträchtigt. Bei Marathonläuferinnen konnte bereits 1984 gezeigt werden, dass übermäßiges Ausdauertraining eine Knochendichtereduktion im LWS-Bereich bewirken kann. Neben Disziplinen wie Langstreckenlauf sind auch Sportarten gefährlich, bei denen ein niedriges Körpergewicht von Wichtigkeit ist (zum Beispiel Ballett oder Turnen). In den genannten Gruppen findet sich eine erhöhte Inzidenz von Zyklusstörungen, außerdem häuft sich ein gestörtes Essverhalten, das bis zu Bulimie oder Anorexia nervosa führen kann. Dabei kann es zusätzlich zu einer mangelhaften Zufuhr an Spurenelementen, Vitaminen und Eiweiß kommen. Bei diesen jungen Athletinnen treten auch Frakturen (Ermüdungs- und Impressionsfrakturen) gehäuft auf. Beim Schwimmen und ähnlichen Sportarten (dazu zählen: Aquajogging, Aquarobics, Tauchen etc.) wirken aufgrund der verminderten Schwerkraft nur geringe Kräfte auf das Skelettsystem. Fehlt die Belastung des Skeletts durch körperliche Arbeit, das Eigengewicht des Körpers oder Kraftanstrengung, wird schneller Knochen abgebaut. Astronauten und bettlägerige Patienten sind ebenfalls gute Beispiele dafür. Regelmäßiges Schwimmen führt zu keiner Zunahme der Knochendichte bei Frauen und ist gewichtsbelastenden körperlichen Aktivitäten unterlegen. Eine Studie mit 66 Berufstauchern bestätigt eindrucksvoll eine Reduktion der Knochendichte im Vergleich zu einer nicht tauchenden Kontrollgruppe.

 

Kontakt: * OA Dr. Edmund Cauza, Wilhelminenspital, 5. Medizinische Abteilung, Rheumatologie, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen, Montleartstr. 37, 1160 Wien, Tel. (01) 49 150-2540, (01) 49 150-2509, E-Mail:

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