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17. August 2005

Interdisziplinäre Netzwerke sind im Aufbau

Die Bone & Joint Decade ist eine unabhängige internationale Non-Profit-Initiative mit dem Ziel, in den Jahren 2000 bis 2010 die Lebensqualität für Menschen, die an Erkrankungen des Bewegungsapparates leiden, weltweit zu verbessern. An dieser Initiative beteiligen sich UNO, Weltgesundheitsorganisation (WHO), Weltbank, nationale Regierungen und mehr als 750 Ärzte- und Patientenorganisationen, wissenschaftliche Gesellschaften und Institutionen.
In Österreich partizipieren führende Experten aller zuständigen Fachgebiete und entwickeln in diesen Jahren Konzepte zur Verbesserung der Situation von Betroffenen und zur gesellschaftspolitischen Bewusstseinsschaffung. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die österreichische Initiative „täglich beweglich“ unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Kotz, Univ.-Klinik für Orthopädie, AKH Wien. Forderungen der Bone & Joint Decade und des österreichischen Komitees betreffen die Förderung der Forschungsmittel für die Erkrankungen der Knochen und Gelenke sowie der Ausbildung von Studenten und des medizinischen Fachpersonals, bestmögliche Behandlung für alle Betroffenen sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Gruppierungen.

Neue Forschungsprogramme gefordert

Die Bekämpfung rheumatischer Erkrankungen beruht auf vier Säulen: Prävention, symptomatische Therapie, Basistherapie und orthochirurgische Maßnahmen. Prim. Prof. Dr. Josef Smolen, 2. Medizinische Abteilung, Krankenhaus Lainz, wies auf die großen wissenschaftlichen Fortschritte der letzten Jahre hin. „Wir können heute für viele Erkrankungen, die chronische Polyarthritis, den Morbus Bechterew und andere Gelenksentzündungen, die Schicksalsspirale bremsen, ihr oft Einhalt gebieten.“ Um weitere entscheidende Durchbrüche zu erzielen, bedürfe es intensiver Forschungsbemühungen auf nationaler und europäischer Ebene. „Wollen wir Schmerz, Gelenkssteifigkeit und Behinderung besser in den Griff bekommen, müssen wir bessere Einsichten in die Ursachen und die Entstehungswege dieser Erkrankungen gewinnen. Das geht nur durch intensive klinische und grundlagenwissenschaftliche Forschungsbemühungen. Und hier bedarf es der raschen Schaffung spezieller nationaler und europäischer Programme“, fordert Smolen.

Schmerzen – reine Nervensache

Prof. Dr. Hans Georg Kress, Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin B mit Schmerzklinik, AKH Wien, ging auf eine besondere Problematik im Zusammenhang mit Erkrankungen des Bewegungsapparates ein: die Behandlung neuropathischer Schmerzen, die auf eine Störung oder gar Schädigung des Schmerz leitenden Systems selbst zurückgeführt werden können. „Sie erfordert den Einsatz spezieller Medikamente, da die üblichen Analgetika wie NSAR oder Opioide nicht oder nicht ausreichend wirksam sind. Neben Antidepressiva und dem für refraktäre Fälle vorbehaltenen S(+)-Ketamin werden in der modernen Schmerzmedizin vor allem Antiepileptika mit gutem Erfolg eingesetzt“, so Kress. Gabapentin (Neurontin®) und die bald zur Verfügung stehende Weiterentwicklung Pregabalin (Lyrica®) seien die neuesten und am besten verträglichen Vertreter dieser Gruppe. Sie haben sich in großen, internationalen Studien bei neuropathischem Schmerz als hoch wirksam erwiesen, Pregabalin darüber hinaus auch bei Arthrose und Fibromyalgie. Ihre gegenüber den klassischen Antidepressiva und vor allem den älteren Antiepileptika größere therapeutische Breite und wesentlich bessere Verträglichkeit ermöglichen ihren Einsatz auch bei betagten und multimorbiden Patienten. Unter der Ägide der „Bone & Joint Decade“ und Federführung derer Initiatoren unterstützt die Firma Pfizer eine bundesweite Informations-Veranstaltungsreihe für Ärzte zum Thema „Interdisziplinäre Ansätze zur modernen Schmerztherapie“. Dabei soll der State of the Art der Schmerzbehandlung vermittelt werden.

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