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20. Jänner 2006

Rehabilitation, Schulung, Erholung

Immer noch gilt Rheuma gemeinhin als eine Erkrankung des Alters, jedoch auch Kinder und Jugendliche können von entzündlichen Gelenkserkrankungen betroffen sein. Akut entzündliches Rheuma heilt meist innerhalb weniger Wochen unter entsprechender Therapie ab, die chronische Form jedoch, die „Juvenile idiopatische Arthritis“, ist seltener und kann im schlimmsten Fall auch lebenslang dauern. In Österreich erkranken jährlich zirka acht von 100.000 Kinder bis zum 16. Lebensjahr daran.
Oft beginnt die Erkrankung schon bei unter zweijährigen Kindern, meist sind mehrere Gelenke betroffen, auch innere Organe und die Augen können miterkranken. Sieben Erkrankungs- beziehungsweise Verlaufsformen werden unterschieden, die Gefahr, dass die betroffenen Gelenke dauerhaft geschädigt, der Gelenksknorpel zerstört und Gelenksfehlstellungen entstehen, ist groß. Unter rechtzeitig einsetzender konsequenter Therapie (medikamentös), Bewegung ohne Belastung, orthopädische Maßnahmen, physio- und ergotherapeutischer Betreuung ist bei Kindern die Prognose meist besser als bei Erwachsenen.
Zwar gibt es keine Kinderkuren in Österreich, jedoch finden seit 1981 im Sommer für jeweils drei beziehungsweise vier Wochen so genannte „Therapieferien“ für rheumakranke Kinder im Alter zwischen sechs und 16 Jahren in Warmbad Villach, Kärnten, statt. Die Kinder kommen aus allen Bundesländern und werden meist aus einem behandelnden Kinderrheumazentrum, aber auch von Kinder-, Allgemein- oder Schulärzten zugewiesen. Veranstalter sind das Österreichische Jugendrotkreuz (Organisator und Geldgeber), die Orthopädische Universitätsklinik (Wien) und das Preyer’sche Kinderspital (Wien). Das Kinderrheumalager ist abgestellt auf Kinder mit chronischem Rheuma, die diese Erkrankung schon länger haben, die unter Umständen schon Bewegungsprobleme mit den einzelnen Gelenken haben. Ziel einer Rehabilitation ist die weitest mögliche Wiederherstellung der Vollbeweglichkeit der Gelenke, des Gangbildes und der Muskelkraft, um die Bewegungsentwicklung des heranwachsenden Kindes oder Jugendlichen nicht zu beeinträchtigen.

Entspannte Atmosphäre

Das betreuende Team besteht aus etwa 13 Personen, darunter ein Kinderarzt (Kinderrheumatologischer Schwerpunkt), ein Rheumaorthopäde sowie Physio- und Ergotherapeuten. Täglich erfolgt Bewegungstherapie auf der Matte und Unterwasser, Schlingentherapie und Gruppengymnastik mit Musik, Radfahren und Schwimmen. Gelenkschutzvorträge, Anfertigen und Kontrolle von Handschienen sowie Fingertherapie, um die Muskelkraft, die Gelenksbeweglichkeit und somit das Allgemeinbefinden zu verbessern. Ein bewährtes pädagogisches Betreuerteam unterstützt die Kinder und hilft ihnen psychologisch, mit ihrer Krankheit und dem Alltag besser umzugehen. Speziell beim Freizeitprogramm gibt es Möglichkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen, kreativ zu sein, sich selbst zu erfahren, Abenteuer zu erleben und vieles mehr. In entspannter Atmosphäre und betreut durch ein multiprofessionelles Team, wird in den Therapieferien nachweislich folgendes erreicht:

  • Erholungseffekt und Verminderung der Krankheitsaktivität verbessern die Laborparameter.
  • Durch Ergo- und Physiotherapie wird die Gelenksbeweglichkeit verbessert.

Dokumentierter Erfolg

In einer dokumentierten Langzeitkontrolle der Gelenksbeweglichkeit nach zehn Jahren bei 103 Kindern und 209 Therapieplätzen ergab sich eine wesentliche, signifikante Verbesserung. 43 Kinder nahmen über mehrere Jahre am Ferienlager teil. Die Diagnose war bei 40 Prozent der Kinder eine RF-negative Polyarthritis, bei 15 Prozent eine Oligoarthritis und bei 25 Prozent eine Arthritis mit Enthesitis. An den Schultergelenken war die Elevation und Außenrotation signifikant verbessert, an den Ellbogengelenken war die Beugung und an den Handgelenken der Bewegungsumfang wesentlich verbessert. An den unteren Extremitäten war die Beweglichkeit der Hüften in allen Dimensionen und im Kniegelenk die Beugung verbessert. Zusammenfassend kann man sagen, dass durch einen drei- beziehungsweise vierwöchigen Aufenthalt von Kindern und Jugendlichen am Therapie- und Feriencamp das Bewegungsausmaß der betroffenen Gelenke verbessert und durch Kräftigung der Muskulatur ein harmonischerer Bewegungsablauf erzielt werden konnte. Die Prävention durch Gelenksschutzunterweisungen und das verbesserte Bewusstsein im Umgang mit der Krankheit wird durch die pädagogisch-psychologische Betreuung noch verstärkt. Ungeachtet dieser Erfolge wird die Finanzierung des Therapiecamps bislang im Wesentlichen durch Elternbeiträge und Spenden an das Jugendrotkreuz finanziert. Die Krankenkassen tragen nur einen sehr geringen Anteil bei, weil sie das Therapiecamp in erster Linie als Kinderferienlager und nicht als Rehabilitationseinrichtung ansehen.

*Dr. Ingrid Pilz, FA für Kinder- und Jugendheilkunde, Rheumaambulanz, Preyer’sches Kinderspital,
1100 Wien, E-Mail: ,
Tel: 01/53114-87641

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