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20. Jänner 2006

Formel erleichtert Dosisoptimierung

Die maximale Wirkung eines Medikaments lässt sich (einfach) vorher berechnen

Die Analyse der Beziehung zwischen der pharmakologischen Antwort auf ein Medikament und seiner Dosis oder seiner Plasmakonzentration ist entscheidend, um die adäquate anzuwendende Dosis sowie die Vorteile und Risiken einer Dosisanpassung zu evaluieren, seine Potenz mit der anderer Drogen zu vergleichen und den Einfluss auf Medikamenteninteraktionen vorherzusagen.

Aber selbst wenn die Plasmakonzentrationen des wirksamen Bestandteils nicht erhältlich sind, wie dies bei Chondroitinsulfat (CS) der Fall ist, das sehr rasch in Bestandteile mit sehr niedrigem Molekulargewicht abgebaut wird, gibt es eine einfache Möglichkeit, den maximalen Effekt einer Substanz voraus zu berechnen, erläuterten Dr. Patrick du Souich, Pharmakologische Universitätsklinik in Montreal, Kanada, und Dr. Josep Vergés, Pharmakologische Universitätsklinik in Barcelona, Spanien (Clin Pharmacol Ther 2001;70:5-9).

CS wird zur Behandlung der Osteoarthrose eingesetzt. Die Substanz ist charakterisiert durch einen langsamen Wirkeintritt über zwei bis drei Wochen. Die maximale Wirkung wird nach etwa drei bis sechs Monaten erreicht und hält noch Monate nach Ende der Therapie an. CS wird sehr rasch während der Absorption und infolge eines extensiven Firstpass-Metabolismus abgebaut, der aktive Metabolit ist bisher unbekannt. Die Analyse von CS und seiner Abkömmlinge im Plasma erlaubt eine Schätzung, dass das Gesamt-CS beim Menschen eine Halbwertszeit von etwa 15 Stunden aufweist (ein konstantes Fließgleichgewicht wird in durchschnittlich drei bis vier Tagen erreicht).

Wissenschaftliche Validierung

Validiert wurde das Modell von du Souich und Vergés durch die Analyse der pharmakologischen Antwort auf Chondroitinsulfat bei Patienten mit Gonarthrose, wie sie aus den Daten der randomisierten Studien von Morreale et al. (Patienten mit Gonarthrose erhielten 400 mg CS 3x/täglich über 90 Tage oder 3x50 mg Diclofenac/Tag über 30 Tage) und Pavelka et al. ( Dosis-Wirkungsstudie mit Vergleich von CS 200, 800 und 1200 mg/Tag gegen Placebo über drei Monate) hervorgehen. Die klinische Wirkung der Substanz ergab sich aus der Funktionseinschränkung laut dem Lequesne-Index, den Schmerzen nach der visuellen Analog-Skala (VAS nach Huskisson) und dem Belastungsschmerz. Wichtig für die Berechnung (mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms) war vor allem der Wert zu Studienbeginn, der (laut Studie) maximale (= beste) Wert und die Zeitspanne bis zum Eintritt des 50-prozentigen Maximaleffektes.

Aufgrund der von du Souich und Vergés entwickelten Formel ergibt sich für die Wirksamkeit von CS folgendes: Bei Patienten mit mäßiggradiger Gonarthrose kann vorausgesagt werden, dass CS die Ausgangswerte von Schmerz und schmerzhafter Funktionsbehinderung um mehr als 80 Prozent verbessern kann, sowie, dass es für diese Patienten etwa 35 Tage dauern wird, bis 50 Prozent des maximalen Effektes für jeden dieser Parameter erreicht wird. Im Vergleich zu Diclofenac ist der Effekt von CS auf Algofunktion und Schmerz gleichwertig, allerdings dauert es bei CS etwas länger, bis die 50-prozentige Maximalwirkung erreicht wird.

Bei schwerer Gonarthrose können die Ausgangswerte um bis zu 70 Prozent verbessert werden. Die Zeitspanne bis zum Erreichen von 50 Prozent des maximalen Effektes ist in Bezug auf die Schmerzen kürzer als in Bezug auf die algofunktionellen Parameter. Mit diesem Modell kann auch berechnet werden, dass der maximale Effekt am besten mit einer Tagesdosis von 800 mg erreicht wird (eine höhere Dosis bringt keinen Zusatznutzen).

Quellen: Morreole P et al: J Rheumatol 1996;23:1385-91
Pavelka K: In Mautone, Tajana, Rovati, vacher, Editors.New Approaches in OA.
Basel;: Reinhardt Druck;1999.p.21-30)

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